Bugatti Type 54

 Bugatti Type 54 war ein Rennwagen von Ettore Bugatti aus dem Jahr 1931.

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Die Entwicklung leistungsstarker und konkurrenzfähiger Rennwagen hatte Ettore Bugatti in den 1920er Jahren zu einer beeindruckenden Siegesbilanz geführt. Dank des Type 35 gelang es schätzungsweise 1000 Siege, sowohl bei großen als auch kleinen Rennen zu erzielen. Beispielsweise bei der Targa Florio 1925–1929 und dem GP von Monaco 1929.

Fahrer wie René Dreyfus, William Grover Williams und Louis Chiron sorgten für eine Dominanz dieser Achtzylinder getriebenen Fahrzeuge. In der Sportwagenklasse konkurrierend mit Wagen wie dem Alfa Romeo 8C oder einem Mercedes-Benz SSKL waren auch dem leistungsstärksten Typ 35B mit einem Hubraum von 2262 cm³ und einer Leistung von gut 140 PS Grenzen gesetzt.

Bugatti erkannte, dass es einer Neuentwicklung bedurfte, um die prestigereichen Trophäen weiterhin nach Molsheim zu holen. Daher entschied er sich zunächst zu einer Weiterentwicklung des Type 35, dem Type 51. Dieser wurde auf Basis des Type 35 Chassis aufgebaut und besaß dasselbe Aggregat allerdings mit 160 PS. Langfristig wollte Ettore Bugatti aber einen komplett neu gestalteten, siegfähigen GP-Wagen bauen, der an die Erfolge der 1920er Jahre anknüpfen konnte. Um die Saison 1931 erfolgreich abzuschließen und vor allem auf dem Hochgeschwindigkeitkurs von Monza gewappnet zu sein, wurde innerhalb von gut 13 Tagen aus einem Type-45-Chassis und einem Motor des Type 50 der Prototyp des Type 54 aufgebaut. So kam es zu dem leistungsstärksten in Rennwagen, mit hufeisenförmigen Kühlern, eingesetztem Motor und einem entsprechend robust konstruierten Fahrgestell. Einem Achtzylinder Motor mit zwei obenliegenden Nockenwellen, einem Hubraum von 4972 cm³ und einer Leistung von 300 PS unter Einsatz von Benzin und schätzungsweise 450 PS bei Methanol.

Die Variation von Hochgeschwindigkeitsstrecken wie der AVUS in Berlin, dem GP von Monza oder Steilkurvenstrecke in Brooklands und der kurvigen, anspruchsvollen Kurse, wie dem Nürburgring, stellten unterschiedliche Anforderungen an die Konstrukteure der 1930er Jahre. Die Tage des erfolgreichen SSKL waren bereits gezählt. Trotz des sehr leistungsstarken 6-l-Kompressormotors blieben die Triumphe auf kurvigen Strecken aus. Nur noch die aerodynamischen Entwicklungen, die zu den beiden Stromlinienausführungen für die Avus in 1932 und 1933 führten, waren siegesfähig.

 

 

Der Type 54 sollte es ursprünglich ermöglichen, auf beiden Streckentypen konkurrenzfähig zu sein. Deutlich leichter als der SSKL aber vergleichbar leistungsstark, hätte der Bugatti eigentlich klare Wettbewerbsvorteile gegenüber seinem Konkurrenten aus Untertürkheim haben müssen.

Die Kunst Ettore Bugattis war es aber seit jeher, kleine, fast filigrane Rennwagen zu bauen, die mit geringem Gewicht und trotz geringer Leistung sehr erfolgreich waren. Der Type 54 hatte genau gegenteilige Attribute. Zwar besaß er das bewährte Zusammenspiel aus Achtzylinder-Motor mit Kompressor, dafür trug das höhere Gewicht aber zu enormen Verzögerungskräften bei und die brachiale Leistung zu erhöhtem Reifenverschleiß. Für die Premiere 1932 in Monza wurden der Italiener Archille Varzi und der Franzose Louis Chiron mit dem Type 54 ins Rennen geschickt. Trotz großer Reifenprobleme schaffte es der Italiener, einen dritten Platz zu sichern.

Leider mussten aber die Konstrukteure in Molsheim erkennen, dass dieses Fahrzeug ausschließlich für Hochgeschwindigkeitsstrecken geeignet war, und dass der Stand der Reifenentwicklung noch nicht mit der enormen Leistung des Type 54 Schritt halten konnte. Über das Jahr 1933 fand der Type 54 Einsätze in verschiedenen Rennen, sowohl als Werks- als auch als Privatwagen mit bewährten Fahrern wie Archille Varzi, Louis Chiron und William Williams. Als Privatfahrer ist Graf Stanislas Czaykowski hervorzuheben, der bereits zuvor viele Erfolge auf einem Type 35B gefeiert hatte. Für das Jahr 1934 wurde die 750-kg-Formel eingeführt und somit die Ära der Silberpfeile eingeläutet. Der Type 54 nahm nur noch in der freien Hubraum Klasse teil.

Im Vergleich zu den Erfolgen des in viel größerer Stückzahl hergestellten Type 35, ist die Bilanz des Type 54 natürlich nicht beeindruckend. Allerdings muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass das Fahrzeug aufgrund der hohen Leistung nicht nur unglaublich anspruchsvoll zu fahren war, sondern, viel mehr noch, auch seine Opfer gefordert hat. Neben Graf Czaykowski in Monza 1933, fand auch Prinz Jiri Lobkowicz von Tschechien den Tod in einem Type 54 und daher wurde das Auto von den Engländern fortan nur noch "The Widow-Maker" genannt.

Über die genaue Anzahl an Fahrgestellen herrscht allgemein große Uneinigkeit, da zum einen die Dokumentation für GP-Wagen in Molsheim nicht ansatzweise vergleichbar mit der Akkribie von Daimler gewesen ist und zum anderen der erste Type 54 ja aus bewährten Komponenten zusammengesetzt wurde. Es lässt sich allerdings festhalten, dass wie auch schon beim Type 35 leider einige Autos aus zusammengewürfelten Teilen oder auch komplette Nachbauten entstanden sind.

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