Bugatti Veyron EB 16.4 (2003-2012) / Veyron Grand Sport EB 16.4 (2009-)

Der Bugatti Veyron 16.4 ist ein Supersportwagen, der unter dem Markennamen Bugatti vom Fahrzeughersteller Volkswagen entwickelt wurde. Das Kraftfahrzeug vereint etliche Superlative und Besonderheiten. Dazu zählen unter anderem die namensgebenden 16 Zylinder des 640 kg schweren Motors (530 kg ohne Getriebe), die Anordnung der Zylinder in Doppel-V-Form (kein echter W-Motor), das 110 kg schwere Siebenganggetriebe mit Doppelkupplung, die maximale Leistung von 736 kW (1001 PS), die Höchstgeschwindigkeit von 407 km/h (somit nach dem Ultimate Aero TT und dem 9ff GT9 (einem modifizierten Porsche 911 GT3) das drittschnellste Auto der Welt mit Straßenzulassung), die vier Turbolader, der Maximalverbrauch von bis zu 100 Litern auf 100 km, das maximale Drehmoment von 1250 Nm und die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 2,5 Sekunden.

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Um das relativ schwere Fahrzeug sicher abbremsen zu können, werden Carbon-Keramik-Bremsscheiben eingebaut, die den Wagen aus 100 km/h in 2,3 Sekunden auf einer Strecke von 31,4 m zum Stehen bringen. Bei Geschwindigkeiten größer als 240 km/h wird ab einer Bremspedalzeit von 0,4 s automatisch, wie beim Mercedes-Benz SLR McLaren, der Heckspoiler steiler gestellt, wodurch er als Luftbremse wirkt.

Nachdem 1998 der Volkswagen-Konzern die Markenrechte am ehemaligen Automobilhersteller Bugatti übernommen hatte, wurden 1999 zur Wiederbelebung der Marke auf verschiedenen internationalen Automobilmessen insgesamt vier Konzeptfahrzeuge vorgestellt. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt am Main wurde u. a. das Sportwagen-Konzept Bugatti Chiron 18.3 vorgestellt, das dem Veyron schon relativ ähnlich sah. Auf der Tokyo Motor Show im selben Jahr wurde die erste Studie des Veyron präsentiert, zu dem Zeitpunkt allerdings noch unter der Namensgebung „Bugatti Veyron EB 18.4“ firmierend und ausgestattet mit einem 18-Zylinder-Motor anstelle des heutigen 16-Zylinder-Motors. Die Entscheidung zur Serienproduktion traf der Volkswagen-Konzern 2001. Der erste fahrbereite Prototyp wurde im August 2003 fertiggestellt. Er ist bis auf wenige Details identisch mit der späteren Serienvariante. Bei der Entwicklung zur Serienreife waren jedoch erhebliche technische Probleme zu lösen, so dass der Fertigungsbeginn wiederholt verschoben wurde und sich bis zum September 2005 hinauszögerte.

Das Design des Wagens wurde 1999 vom damaligen Volkswagen-Designchef Hartmut Warkuss in Zusammenarbeit mit dem damals erst sechsundzwanzigjährigen Nachwuchsdesigner Jozef Kabaň – dem späteren Leiter Außendesign von Audi und heutigem Designchef von Škoda – entwickelt und bis zum Beginn der Serienproduktion betreut. Das Design des Wagens führte dabei zu Problemen bei der technischen Umsetzung: Die eher runde Form der Karosserie erzeugte Aerodynamiknachteile, weil sie für die geplante maximale Geschwindigkeit von über 400 km/h nicht optimal ist. Der cw-Wert des Veyron liegt in der normalen Konfiguration mit 0,393 zwischen der eines VW New Beetle (0,38) und einem VW Golf I (0,41). In der produzierten Version hilft ein hydraulisch ausfahrbarer Heckflügel, den Wagen bei hohen Geschwindigkeiten zu stabilisieren. Das erhöht den Luftwiderstand, womit eigentlich mehr als die vorgesehenen 736 kW notwendig wären um die projektierte Geschwindigkeit zu erreichen. Dieses Problem wurde mit der Einführung des sogenannten „Speed-Keys“ gelöst: In normaler Einstellung erreicht der Wagen 375 km/h, mit dem Speed-Key (eine Art zweiter Zündschlüssel links neben dem Fahrsitz) wird der Wagen abgesenkt auf vorne 65 mm und hinten 70 mm Bodenfreiheit, womit eine Keilform erreicht wird. Der Heckspoiler wird auf 2°-Stellung gefahren, um den Luftwiderstand zu senken, zusätzlich werden die vorderen Diffusorklappen geschlossen, um die Aerodynamik weiter zu verbessern. So kann die Höchstgeschwindigkeit um den Preis einer weitaus schlechteren Handhabung erreicht werden. In dieser „High-Speed“-Konfiguration sinkt der cw-Wert auf 0,36. Im Vergleich zu anderen Serienfahrzeugen ist das immer noch recht hoch und entspricht dem eines Geländewagens wie dem Subaru Forester. Allerdings steht dieser cw-Wert auch in unmittelbarem Zusammenhang mit dem benötigten Abtrieb, der für einen ausreichenden Anpressdruck erforderlich ist.

 

 

Weitere Probleme waren der Platzbedarf des 16-Zylinder-Motors in doppel-V-Form und seiner vier Turbolader. Er benötigt zehn Kühler und besitzt zwei Wasserkreisläufe (40 l und 15 l), um bei Höchstgeschwindigkeit und im Stop-and-go-Verkehr nicht zu überhitzen. Zudem wird bei Erreichen einer bestimmten Kühlertemperatur der Heckspoiler auf 2°-Stellung gefahren, um zusätzliche Ventilation im Motorraum zu erreichen (im Topspeed-Modus direkt). All diese Maßnahmen führen zu einem Leergewicht von fast zwei Tonnen anstelle der geplanten 1550 kg und somit zu erhöhtem Kraftstoffverbrauch. Der Motor wird im Motorenwerk der Volkswagen AG im Niedersächsischen Salzgitter gefertigt.

Das Getriebe stellte eine weitere Herausforderung dar. Das Ziel eines leichten, kleinen und langlebigen Getriebes kollidierte mit dem angestrebten maximalen Drehmoment von 1250 Nm. Es handelt sich beim Getriebe um ein von Ricardo entwickeltes Doppelkupplungsgetriebe.

Aufgrund der besonderen Anforderungen mit möglichen Geschwindigkeiten von über 400 km/h entwickelte der Reifenhersteller Michelin eigens für den Veyron neue Hochgeschwindigkeitsreifen. Die Suche nach einem Kompromiss aus Straßentauglichkeit und Belastbarkeit nahm knapp fünf Jahre Entwicklungszeit in Anspruch. Die Reifen vom Typ Michelin Pilot Sport PAX sind dabei hauptsächlich für trockene Straßenverhältnisse ausgelegt und aufgrund ihrer Breite und ihres Profils nur eingeschränkt regentauglich.

Auch der Vorderwagen musste überarbeitet werden, um den hohen Crash- und Qualitätsstandards des Volkswagen-Konzerns zu genügen. Das war ebenfalls mit hohem Aufwand verbunden, vor allem weil die Karosserie hauptsächlich aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff besteht.

Ende April 2005 durchbrach der Veyron auf dem Volkswagen-Prüfgelände in Ehra-Lessien unter Aufsicht des TÜV mehrmals die Grenze von 400 km/h. Die bei diesen Tests ermittelte durchschnittliche Höchstgeschwindigkeit betrug 408,47 km/h, die in den Zulassungspapieren eingetragene Höchstgeschwindigkeit liegt bei 407 km/h. Damit löste er den Dauer 962 LM als schnellsten Seriensportwagen der Welt ab. Seit einer Messung des SSC Ultimate Aero TT am 13. September 2007 durch das Guinness-Buch der Rekorde, bei der eine absolute Höchstgeschwindigkeit von 412 km/h ermittelt wurde, ist er aber nicht mehr der schnellste Wagen mit Straßenzulassung. Zum 100. Geburtstag von Bugatti kamen Spekulationen über ein Sondermodell mit der Bezeichnung "Centenaire" auf, dem eine Leistungssteigerung auf 1350 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 425 km/h nachgesagt wurde. Diese Gerüchte wurden aber nicht bestätigt; vielmehr entpuppte sich der "Centenaire" als eine zwar speziell ausgestattete, technisch aber unveränderte Variante des Veyron. Anfang Mai 2010 kündigte Ferdinand Piëch jedoch auf einer Lehrveranstaltung an der TU Wien an, dass in Zukunft eine weiterentwickelte Variante des Veyron mit 1200 PS in Serie geht.

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