De Tomaso

De Tomaso ist der Markenname eines ehemaligen italienischen Automobilhersteller, der von 1959 bis 2012 existierte. Die Marke wurde von Alejandro de Tomaso in Modena gegründet.

Gründer und Geschichte

Der Argentinier Alejandro de Tomaso wurde am 10. Juni 1928 als Sohn eines sozialistischen Ministers der Ära vor Juan Perón in Buenos Aires geboren und behielt die argentinische Staatsbürgerschaft, obwohl er schon 1955 nach Bologna kam.

Wurzeln im Motorsport

Die Basis des Unternehmens war der Motorsport. In Modena eröffnete De Tomaso eine Tuningwerkstatt. Zusammen mit dem Karosseriewerk Ghia schuf er Renn-Spider mit Ford-Motoren. Daraus abgeleitet entstand 1965 der erste Straßensportwagen Vallelunga[1]. Aber zunächst versuchte De Tomaso, eigene Rennwagen für die Formel 1 und für andere Kategorien zu bauen und zu verkaufen. Nachdem diese Ansätze nur von geringem Erfolg gekrönt waren, legte de Tomaso den Schwerpunkt seines Unternehmens Mitte der 1960er Jahre auf die Entwicklung von Straßensportwagen.

Straßensportwagen

1963 stellte De Tomaso in Turin sein erstes Straßenfahrzeug vor, den Vallelunga. Er hatte einen 1,5-Liter-Vierzylindermotor mit 105 PS und wurde nur 48 mal gebaut. Die Produktion wurde 1965 aufgenommen, aber bereits ein gutes Jahr darauf wieder eingestellt. Bei dem Nachfolgemodell, dem 1966 vorgestellten Mangusta, der eine aufsehenerregende Karosserie von Giorgetto Giugiaro trug, verwendete De Tomaso erstmals ein großes amerikanisches Achtzylindertriebwerk. Es war ein V8 mit 4,7 Liter Hubraum von Ford, der über 305 PS verfügte und als Mittelmotor eingebaut wurde. Diesem Konzept sollte das Unternehmen bis zum Schluss treu bleiben. Der Mangusta war deutlich erfolgreicher als der filigrane Vallelunga: Er wurde bis 1968 in rund 400 Exemplaren produziert.

Besondere Bekanntheit erlangte das von Tom Tjaarda entworfene Modell Pantera, von dem in verschiedenen Ausführungen von 1971 bis 1993 7260 [1] Stück gebaut wurden. Auch er bekam einen V8-Motor: 5,8 Liter Hubraum mit 310 PS [1]. Knapp 6100 davon wurden innerhalb weniger Jahre durch ein Vertriebsabkommen mit dem Lincoln-Mercury-Händlernetz in den USA verkauft; nachdem das Abkommen aufgelöst worden war, reduzierte sich die Produktion allerdings zumeist auf wenige Dutzend Exemplare jährlich. Zu Beginn der 1970er Jahre baute De Tomaso seine Modellpalette aus: Neben dem Sportwagen Pantera wurde das viersitzige Coupé Longchampabgeleitet, von dem es kurzzeitig auch eine Cabriolet-Version gab, sowie eine auf der Longchamp-Technik aufbauende Luxuslimousine namens Deauville, die anfänglich mit dem Maserati Quattroporte konkurrierte und ihn schließlich nach seiner Produktionseinstellung in den 1970er Jahren ersetzte.

Keinem seiner Fahrzeuge ließ De Tomaso in den 1970er oder 1980er Jahren eine ernsthafte Modellpflege zukommen. Die Produkte veralteten zunehmend und ließen sich schließlich nur noch schwer verkaufen. De Tomasos Augenmerk lag in dieser Zeit vornehmlich auf den anderen Marken, die zu seiner Unternehmensgruppe gehörten.

Konzern mit zahlreichen Marken

Alejandro de Tomaso übernahm im Laufe der Zeit mehrere Unternehmen. Dazu zählen die Carrozzeria Vignale und die Carrozzeria Ghia(je 1969), welche er beide im selben Jahr an Ford weiterverkaufte, Benelli (1971), Moto Guzzi (1972), Maserati (1975) und Innocenti(1976). Finanzielle Probleme waren ausschlaggebend für den Verkauf aller Beteiligungen. Zuletzt übernahm Fiat das Traditionsunternehmen Maserati.

Niedergang und Insolvenz

Ende der 1990er Jahre versuchte De Tomaso einen Neustart der Marke mit dem Biguà, der nach Uneinigkeiten mit dem Geldgeber 2000 als Qvale Mangusta auf den Markt kam. Das letzte serienmäßig hergestellte Modell war der Sportwagen Guarà, der Antriebstechnik vonBMW bzw. von Ford verwendete. Das Unternehmen war allerdings nicht in der Lage, eine dauerhafte Produktion sicherzustellen; insgesamt entstanden nicht einmal 40 Exemplare des Guarà.

2003, im Jahr seines Todes, versuchte Alejandro de Tomaso, mit der Studie eines neuen Pantera nochmals Fuß zu fassen. Das Projekt kam allerdings nicht über das Modellstadium hinaus. 2004 wurde auf Antrag eines Gläubigers das Insolvenzverfahren über De Tomaso Modena S.p.A. eröffnet. Die Liquidation des Unternehmens dauerte bis 2012. Aus ihr gingen im Laufe der Jahre mehrere Nachfolgeunternehmen hervor:

·                    RS Corse in Modena übernahm den Kundendienst für alte De Tomaso-Fahrzeuge und hält Ersatzteile bereit.[2] Das Unternehmen wurde von Alejandro De Tomasos Sohn Santiago sowie von Ludovico Raffaele gegründet.[3]

·                    Die Rechte am Markennamen De Tomaso erwarb 2009 das italienische Unternehmen IAI (Innovation in Auto Industry). Es versucht seit 2011, unter der Bezeichnung de Tomaso Automobili S.p.A. die Serienproduktion von Luxusautomobilen aufzunehmen.

Straßensportwagen von de Tomaso

Seriensportwagen

Zeitleiste der De-Tomaso-Serienmodelle

Typ

60er

70er

80er

90er

2000er

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Roadster

 

 

 

 

Guarà

 

Sportwagen

 

Vallelunga

Mangusta

Pantera

 

Biguà / Mangusta

 

Mittelklasse

 

 

Longchamp

 

 

Oberklasse

 

 

Deauville

 

 

 

·                     Als „De Tomaso Biguà“ entwickelt, als „Qvale Mangusta“ vermarktet

                                                                                                     

·                    De Tomaso Vallelunga (1964 bis 1967, 56 Stück gebaut) [4]

·                    De Tomaso Mangusta (1967 bis 1971, 402 Stück) [5]

·                    De Tomaso Pantera (1971 bis 1993, 7260 Stück, davon 12 Targa) [6]

·                    De Tomaso Deauville (1971 bis 1988, 244 Stück) [7]

·                    De Tomaso Longchamp (1973 bis 1989, 409 Stück, davon 14 Spider) [8]

·                    De Tomaso Guarà (1994 bis etwa 2004, etwa 34 Stück)

·                    Qvale Mangusta (1995 als „De Tomaso Biguà“ vorgestellt; 1996 bis 2002 auf dem Markt)

Als Motoren wurden zumeist Ford V8 verwendet. Eine Ausnahme bildet der Guarà, in dem anfänglich BMW V8 eingesetzt wurden. Der Guarà wurde zuletzt mit einem Ford-Aggregat ausgerüstet.

Einzelstücke und Studien

·                    Der De Tomaso Pampero ist ein zweisitziges Vollcabriolet auf der Basis des De Tomaso Vallelunga mit einer von Giugiaro gezeichneten und bei Ghia gebauten Karosserie. Es wurde 1966 auf dem Turiner Autosalon gezeigt. Das Auto blieb ein Einzelstück.

·                    Der De Tomaso 1600 war der Prototyp eines kleinen Mittelmotorsportwagens mit Bertone-Karosserie, der stark an den Fiat X1/9 erinnerte. Das Auto wurde 1970 in Turin ausgestellt.

·                    De Tomaso Zonda, ein zweisitziges Frontmotor-Coupé mit Karosserie von Ghia im Stil des Maserati Ghibli. Das Fahrzeug wurde auf dem Autosalon in Genf 1971 gezeigt. Es verfügte über den bekannten 5,7 Liter-Achtzylinder von Ford. Auch der Zonda blieb ein Einzelstück.

Weitere Fahrzeuge mit dem Namen De Tomaso

Neben den genannten Sportwagen erschien der Name De Tomaso wiederholt im Zusammenhang mit Großserienfahrzeugen. Hier sollte er eine besonders sportliche Ausstattungslinie bezeichnen. Derartige Fahrzeuge waren

·                    der Innocenti De Tomaso, eine vor allem optisch überarbeitete Version des Innocenti Mini

·                    der Dodge Omni 024 De Tomaso, eine ausschließlich in Amerika verkaufte Coupé-Version eines handelsüblichen Kompaktwagens. Der fünftürige Dodge Omni und sein Zwillingsbruder Plymouth Horizon entsprachen nicht vollständig, jedenfalls aber in vielen Teilen dem in Frankreich hergestellten Kompaktwagen Horizon, der zunächst als Chrysler (France) bzw. Simca und später als Talbot verkauft wurde. Nur für den amerikanischen Markt hatte Chrysler USA eine zweitürige Fließheck-Version des Omni/Horizon entwickelt, die bei Dodge Omni 024 und bei Plymouth Horizon TC hieß. Die sportlichste Version des Dodge Omni-Coupés wurde in den Jahren 1980/1981 alsOmni 024 de Tomaso bezeichnet. Ein Pendant bei Plymouth gab es hierzu nicht. Es handelte sich um ein reines Optik-Paket, technische Änderungen oder gar eine erhöhte Motorleistung waren mit dem Paket nicht verbunden. De Tomaso hatte an der Entwicklung des Autos keinerlei Anteil. Allerdings kam die Beziehung zu Chysler durch Lee Iacocca zustande, jenen Manager, der Ende der 1960er Jahre, noch in Ford-Diensten stehend, wesentlich an der Vermarktungsidee des Pantera beteiligt gewesen war und seit 1977 an der Spitze des Chrysler-Konzerns stand.

De Tomaso im Motorsport

De Tomaso konstruierte diverse Rennwagen für die Formel 1, die zwischen 1961 und 1963 zu einzelnen Rennen eingesetzt wurden.

Die Anfänge

Sein erstes Auto baute De Tomaso 1958; er verwendete dafür einen OSCA-Motor in einer Front-Mittel-Position, was damals sehr ungewöhnlich war. Aber die Maserati-Brüder, die Gründer und Besitzer von OSCA, verboten De Tomaso, das Auto für Rennen einzusetzen. Ein Jahr später fuhr er in einer neuen Konstruktion, ausgerüstet mit einem OSCA-Motor und dem Segen der Maserati-Brüder.

Die Formel 1

Zwischen 1961 und 1963 versuchte sich De Tomaso mit diversen Konstruktionen in der Formel 1, aber der Erfolg blieb aus.

Der De Tomaso F1

Die erste Konstruktion, der De Tomaso F1, wurde in fünf Exemplaren verwirklicht. Als Antrieb dienten üblicherweise Reihenvierzylindermotoren von Osca oder von Alfa Romeo; einzelne Fahrzeuge wurden auch mit einem Ford-Holbay-Motor oder einem Ferrari-Sechszylinder ausgerüstet. Die meisten Fahrzeuge verkaufte De Tomaso an Privatkunden, zu denen die Scuderia Serenissima oder die Scuderia Settecolli gehörten; zwei Autos wurden daneben werksseitig von der Scuderia De Tomaso (gelegentlich auch als Scuderia Isobel De Tomaso bezeichnet) eingesetzt. Das Engagement beschränkte sich allerdings auf italienische Rennen, von denen meisten nicht zur Formel 1-Weltmeisterschaft zählten.

Der De Tomaso 801

Der F1 litt an konstruktiver Unzuverlässigkeit und an mangelnder Leistung der eingesetzten Motoren. Weder das Werksteam noch die privaten Kunden konnten mit dem Wagen Erfolge erzielen. Um die Lage zu verbessern, konstruierte De Tomaso für die Formel-1-Saison 1962 ein neues Auto, den De Tomaso 801, der von einem selbst entwickelten Achtzylinder-Boxermotor angetrieben wurde. De Tomaso behielt seinen Einsatz dem Werksteam vor; Stammfahrer war Nasif Estéfano. Der 801 war ausgesprochen unzuverlässig, und Nasif, der in zuvor in Argentinien vor allem Stock-Car-Rennen gefahren war, war unerfahren. Auch mit dem 801 ließen sich daher keine Erfolge im Motorsport erzielen. Ende 1963 gab De Tomaso sein Formel 1-Engagement zunächst auf.[9]

Zusammenarbeit mit Williams

In der Formel-1-Saison 1970 gab es in Zusammenarbeit mit dem britischen Rennstall Frank Williams Racing Cars einen neuen, kurzen Anlauf in der Formel 1, der tragisch endete. Williams´ Fahrer Piers Courage verunglückte mit dem Fahrzeug beim Großen Preis der Niederlande in Zandvoort tödlich. Weder er noch die nachfolgenden Piloten konnten einen Meisterschaftspunkt mit dem De Tomaso erzielen.

Rennwagen für die Formel 3 und Indianapolis wurden ebenfalls gebaut, fuhren aber nie Rennen.

De Tomaso Automobili

De Tomaso Automobili ist ein Unternehmen, das die Rechte an dem Namen De Tomaso nutzt, abgesehen davon aber keine Verbindungen zu dem traditionsreichen Modeneser Sportwagenhersteller aufweist. Im Herbst 2009 erwarb das Gian Mario Rossignolo gehörende Unternehmen IAI die Nutzungsrechte an der Marke de Tomaso. Das Unternehmen firmiert seitdem unter der Bezeichnung de Tomaso Automobili[10] Zum Jahreswechsel 2009/2010 übernahm de Tomaso Automobili von Pininfarina die bisherigen Werkshallen in Grugliasco.[11] Das Unternehmen hat seitdem seinen Sitz in der Via Pininfarina in Grugliasco.

Auf dem Genfer Auto-Salon 2011 stellte de Tomaso Automobili ein neues Modell mit der Bezeichnung De Tomaso Deauville vor.[12] Dabei handelt es sich um einen fünftürigen Schrägheck-SUV mit Allradantrieb, der im Detail Stilelemente von BMW und Mercedes-Benz trägt.[13]Als Antriebsquelle stehen zwei Benzinmotoren mit 300 bzw. 500 PS sowie ein Dieselmotor von VM Motori mit 250 PS zur Wahl. Später sollen ein Sportwagen und eine Limousine folgen.[14] Die Serienproduktion kam bis 2012 aufgrund finanzieller Schwierigkeiten des Unternehmens nicht zustande. Nach Presseberichten sind die Produktionsrechte an dem Geländewagen Ende 2011 für 15 Millionen Euro an ein chinesisches Unternehmen verkauft worden. Mit dem Erlös soll die Entwicklung eines zweisitzigen Sportwagens vorangetrieben werden.[15]

Quellen

·                    Halwart Schrader, Georg Amtmann: Italienische Sportwagen, 1. Auflage 1999. ISBN 3-613-01988-4

·                    Mike Lawrence: Grand Prix Cars 1945–1965. Motor Racing Publications (London) 1998. ISBN 1-899-87039-3

·                    Hans-Karl Lange: Das Beben grollt noch. De Tomasos Ende. In: Oldtimer Markt, Heft 8/2012, S: 50 ff.