Fiat 124 (1966-) / 124 Familiare (1967-)

Der Fiat 124 ist ein ehemaliges Mittelklassemodell der Automarke Fiat, das in verschiedenen Varianten zwischen 1966 und 1985 gebaut worden ist. Als Limousine wurde er von Fachjournalisten der europäischen Motorpresse zum Auto des Jahres 1967 gewählt.

Zimmermann Zimmermann Bremsscheiben FIAT 124 Bj. 73-75, HA

Limousine und Kombi

Entwicklung

Bereits kurz nach der Präsentation der Baureihe 1300/1500 wurden bei Fiat die Arbeiten zur Entwicklung eines Nachfolgers aufgenommen. Da im Automobilbau der frühen 1960er Jahre stilistisch die „Neue Sachlichkeit“ Einzug gehalten hatte, sollte sich auch die Gestaltung des neuen Fiats an diesem Trend orientieren.

Fiat baute zu dieser Zeit ausschließlich Fahrzeuge mit Hinterradantrieb. Der Vorderradantrieb galt aber spätestens seit dem Erscheinen des BMC Mini als zukunftsweisend. Innerhalb des Fiat-Konzerns erzielte Autobianchi durch den Primula mit diesem Konzept Markterfolge. Um das gewonnene Wissen auf die Konzernmutter zu transferieren, begannen die Verantwortlichen in Turin ein gemeinsames Projekt mit der Tochtermarke, das die Bezeichnung 123 erhielt. Auf Basis des Primula wurde die Entwicklung einer viertürigen Stufenhecklimousine mit Quermotor und Frontantrieb begonnen. Im Laufe der Arbeiten entschied Fiat jedoch, die Kraftübertragung weiterhin auf der Hinterachse zu belassen und brach die Zusammenarbeit überraschend ab. Autobianchi brachte das Projekt alleine zur Serienreife, und kommerzialisierte das Fahrzeug unter der Bezeichnung A111.

Schon damals realisierte der Fiat-Konzern einen bedeutenden Anteil seines Umsatzes außerhalb Italiens. Wesentlichen Anteil hieran hatten Lizenzproduktionen von Tochterfirmen, die die Fahrzeuge unter ihrem Markennamen vertrieben, sofern sie gut zu den jeweiligen nationalen Bedürfnissen passten. Im Lastenheft für die Gestaltung des 124 stand daher, möglichst global zu gefallen und sich auch unter schwierigen Bedingungen behaupten zu können. Fiats Lösung für diese Aufgabe lag in einer sehr schlichten, glattflächigen Form gepaart mit einer robusten und erprobten Technik ohne innovative Experimente.

 

 

Technische Konzeption

Unter der Motorhaube befand sich ein längs eingebauter Vierzylinder mit 1197 cm³ und einem Zylinderkopf aus Aluminium. Die Verdichtung lag bei 8,8:1, was auch die Nutzung von Kraftstoffen mit niedriger Oktanzahl erlaubte. Das maximale Drehmoment lag bei 9,6 mkg bei 3200 U/min. Die Leistung betrug 65 SAE-PS bzw. 60 DIN-PS. Zum ersten Mal fand eine fünffach gelagerte Kurbelwelle in einem Fiat Verwendung.

Die Kraft wurde mittels eines Viergang-Getriebes auf die hintere Starrachse übertragen. Die Bremsanlage umfasste zwar Scheibenbremsen an allen vier Rädern (ein Novum in dieser Fahrzeugklasse), eine Bremsunterstützung war nicht serienmäßig.

Modellgeschichte

Der Fiat 124 wurde im Frühjahr 1966 der Öffentlichkeit präsentiert. Einzige Karosserievariante war zunächst die viertürige Limousine. Trotz der übersichtlichen Abmessungen von 4030 mm x 1625 mm x 1420 mm lobten zeitgenössische Tester das Platzangebot im Innenraum. Im Vergleich zum Vorgänger wurden die Fensterflächen erheblich vergrößert, was die Übersichtlichkeit für den Fahrer verbesserte. Sowohl das Lenkrad mit Hupring als auch die Tachometereinheit waren der letzten Entwicklungsstufe der Modellreihe 1300/1500 entlehnt. Insgesamt waren Armaturenbrett und Innenraum aber neu gestaltet worden. Der serienmäßige Lieferumfang umfasste eine Benzinuhr mit Reserveleuchte. Im Kofferabteil war links das Reserverad und rechts der Kraftstofftank untergebracht.

Die Kunden nahmen den 124 von Start weg positiv auf. Schon beim Produktionsstart konnten 200 Einheiten pro Tag gefertigt werden; eine Zahl, die bis zum Herbst 1966 auf 600 stieg. Fiat entwickelte die Modellfamilie weiter und präsentierte einen Kombi mit dem Namen Familiare. Er übernahm nahezu alle Merkmale der Limousine. Zusätzlich wurden hier Reifen der Größe 6,15S-13 statt 5,50S-13 bei der Limousine verbaut. Auch wuchs das Tankvolumen von 39 auf 47 Liter.

Obwohl sich der Fiat 124 gut verkaufte, wurde die Leistung als zu gering kritisiert. Im November 1968 wurde daher der 124 Special vorgestellt. Der schon bekannte Motor war deutlich überarbeitet worden. Durch eine Hubraumsteigerung auf 1438 cm³ und eine Erhöhung der Kompression auf 9,1:1 mit einem maximalen Drehmoment von 11,2 mkg bei 3.300 U/min erreichte das Antriebsaggregat nun 70 DIN-PS. Diese Leistungssteigung kam im Wesentlichen der Beschleunigung zugute, die Höchstgeschwindigkeit stieg nur um 5 km/h.

Äußerlich war der Special an einem geänderten Kühlergrill mit Doppelscheinwerfern, größeren Stoßstangenhörnern und an geänderten Heckleuchten mit integrierten Reflektoren erkennbar. Der Innenraum war leicht überarbeitet und hochwertiger. Die Instrumenteneinheit bestand beim Special aus zwei runden Anzeigen. Links befand sich der Tachometer ohne Tageskilometerzähler. Im rechten Instrument waren alle Anzeigen und Warnleuchten zusammengefasst. Zur Senkung des Fahrgeräuschpegels wurde in diesem Modell zusätzlich 25 kg Dämmmaterial verbaut.

Die erste Modellpflege war im November 1970. Das Basismodell erhielt einen neu gestalteten Kühlergrill mit vier horizontal angeordneten verchromten Leisten. Die Stoßstangenhörner wurden vom Special übernommen. Das überarbeitete Heck wies nun größere Rückleuchten auf, in die Rückfahrscheinwerfer integriert waren. Um die Luftzirkulation im Innenraum der Fahrzeuge zu verbessern, kamen Entlüftungsschlitze an die C-Säule. Eine Zweikreisbremsanlage mit Servounterstützung erhöhte die Sicherheit. Der Special übernahm diese Änderungen ebenfalls. Allerdings entfielen die Stoßstangenhörner zugunsten einer umlaufenden Gummileiste. Im Innenraum kamen Element mit Holzimitat zum Einsatz.

Zur gleichen Zeit wurde der Special T in das Programm aufgenommen. Er war ein Special mit stärkerem Motor. Dieser hatte auch 1438 cm³, 80 DIN-PS und ein maximales Drehmoment von 11,45 mkg bei 4000 U/min. Die Verdichtung lag bei 8,9:1. Gegen Aufpreis war hier auch ein elektronischer Drehzahlmesser erhältlich.

Die letzte Überarbeitung erfuhren die Modelle im August 1972. Äußerlich erhielten alle Varianten neugestaltete Kühlergrille, die nun wie die Radkappen mit dem umgestalteten Fiat-Markenzeichen versehen waren. Im Innenraum zeigten sich Armaturen mit schwarzer Grundfarbe und gelber Schrift. Die Basisversionen und der Special erhielten einen überarbeiteten Motor. Durch Verbesserungen an der Nockenwelle und den Verbrennungskammern konnten bei beiden Modellen 5 DIN-PS zusätzlich gewonnen werden. Der Special T wurde dagegen den Motor des im gleichen Jahr eingeführten 132 1600 N bestückt. Dieser hatte 1592 cm³ Hubraum, 95 DIN-PS, ein maximales Drehmoment von 12,8 mkg bei 4000 U/min und einer Verdichtung von 8,9:1.

Die Produktion in Italien wurde im Januar 1975 einstellt, das Modell wurde aber noch Jahrzehnte außerhalb Italiens in Lizenz gefertigt. Sein Nachfolger wurde der Fiat 131 Mirafiori.

Coupé und Spider

Das Fiat 124 Sport Coupé wurde von 1967 bis 1975 produziert. Es hatte anfangs 1438 ccm und 90 PS. 1969 wurde es gründlich überarbeitet, bekam eine völlig überarbeitete Frontpartie mit Doppelscheinwerfern, die formal dem Dino Coupe angeglichen wurde. Auch die Heckpartie wurde verändert. Dazu kam eine zweite Motorenvariante mit 1608 ccm und 110 PS. 1972 folgte eine weitere Überarbeitung der Front- und Heckpartie. Als neue Motoren wurden die des neuen Fiat 132 mit 1592 ccm /108 PS und 1756 ccm /118 PS verwendet.

Der Fiat 124 Sport Spider wurde von 1966 bis 1985 von Fiat und Pininfarina produziert. Auch er wurde 1969 und 1972 überarbeitet, jedoch weit weniger auffällig als das Coupe, und erhielt die neuen Motoren. Von ihm gabe es auch noch eine Version mit 1756 ccm und 128 PS unter dem Namenszusatz Abarth.

Von Ende 1982 bis 1985 wurde der Fiat 124 Spider als 124 DS im den Werkshallen von Pininfarina unter der Modellbezeichnung Pininfarina Spider Europa hergestellt und über das Händlernetz der Fiat AG vertrieben. Parallel kamen als Sonderedition 500 von Abarth getunte und einzeln durchnummerierte Spider Volumex mit einem Roots-Kompressor in den Handel. Mit seinen 135 PS war der Volumex stärker als sein „ewiger“ Konkurrent, der Alfa Romeo Spider

Die Produktion des Fiat 124 Spider wurde nach 19 Jahren und knapp 200.000 gebauten Fahrzeugen im Juli 1985 eingestellt.

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