Lancia Beta HPE (828BF) (1976-1984) / Beta Coupe (828BC) (1976-1984) / Beta Monte Carlo (137AS, 137BS) (1975-1981) / Beta Spider (828BS) (1976-1986)

Der Lancia Beta war ein Personenkraftwagen, der von Herbst 1972 bis Ende 1984 vom italienischen Automobilhersteller Lancia hergestellt wurde. Unter dem gleichen Markennamen wurde das Fahrzeug im Jahre 1979 auch von SEAT gebaut.

Gelenksatz GS LANCIA BETA Spider (828BS) - 2000 (828BS1

In Hinblick auf den Namen nahm das Modell die zu Anfang der Firmengeschichte benutzte Nomenklatur nach Buchstaben des griechischen Alphabets wieder auf. Das nach dem Buchstaben Beta benannte Fahrzeug war das erste Modell, welches wieder so benannt wurde, zumal der Buchstabe Alpha mit Hinblick auf den Firmennamen von Alfa Romeo vermieden wurde.

Der Beta erschien in mehreren Bauformen. Standardmodell war eine viertürige Limousine, die im Laufe ihrer Herstellung von Pininfarina überarbeitet wurde. Das Beta Coupé war ein zweitüriges Coupé, der Beta HPE ein dreitüriges Shooting Brake-Kombicoupé. Daneben erschien noch eine zweitürige Spider-Version, welche allerdings mit einem Targa-Dach versehen war. Die ursprüngliche Schräghecklimousine wurde 1980 durch die Stufenhecklimousine Beta Trevi, ab der zweiten Serie offiziell nur noch "Lancia Trevi", ergänzt. Unter der Bezeichnung Beta Montecarlo stand schließlich noch ein zweisitziges Mittelmotor-Coupé im Angebot.

Limousine, Coupé, HPE, Spider (als Lancia Zagato) und Montecarlo (letzterer unter der Bezeichnung Lancia Scorpion) wurden von 1975 bis 1982 auch in die USA exportiert. Die Resonanz war äußerst gering; in sieben Jahren wurden 17.965 Autos verkauft.

Beta Berlina (Limousine)

Als erstes Modell der Beta-Baureihe erschien im Herbst 1972 die Limousine (auch Berlina genannt), deren von Gianpaolo Boano modern gestaltete Schrägheck-Karosserie bei den Markenfreunden auf wenig Gegenliebe stieß, zumal sie auf eine große Heckklappe verzichtete und sich der Zugang zum Kofferraum über eine relativ kleine Klappe schwierig gestaltete.

Die Technik befand sich auf der Höhe der Zeit und bot Frontantrieb, Einzelradaufhängung rundum, eine kräftige Zweikreisbremse mit Scheiben rundum, Fünfganggetriebe und quer eingebaute Doppelnockenwellenmotoren. Allerdings fehlte die Lancia-typische Originalität, und dem Beta haftete der Ruf an, ein maskierter Fiat zu sein; tatsächlich stammten nur die Motoren aus dem Fiat-Regal. Auch die Ausstattung galt als Lancia-untypisch karg, obwohl sie über dem damaligen Durchschnitt lag.

Zu den Vorzügen des Beta zählten Platzangebot, Komfort, durchzugsstarke Motoren, sichere Straßenlage und starke Bremsen. Anfangs standen drei Reihenvierzylinder im Programm, ein 90 PS starker 1,4-Liter, ein 100 PS leistender 1,6-Liter und ein 1,75-Liter mit 110 PS. Zwei Ausstattungsvarianten waren lieferbar, ein Basismodell und der Beta LX (dieser nicht mit dem 1,4-Liter).

Beta Coupé

Mitte 1973 debütierte das Beta Coupé auf der verkürzten Bodenplatte der Limousine.

Das Design stammte von Castagnero, der bereits das Lancia Fulvia Coupé der sechziger Jahre entworfen hatte. Angetrieben wurde das Coupé anfangs von 1,6- und 1,75-Liter-Doppelnockenwellenmotoren mit 109 bzw. 119 PS. Die Ausstattung zeigte sich gegenüber der Limousine aufgewertet.

Nach einer Überarbeitung Ende 1982 fiel bei den übriggebliebenen Modellen HPE, Trevi und Coupé die Bezeichnung "Beta" weg.

Beta Spider und HPE

Ende 1974 erschienen der Spider mit Targa-Bügel und der HPE (High Performance Estate, später High Performance Executive), ein dreitüriges Kombicoupé. Der HPE ruhte auf der unveränderten Bodenplatte der Limousine, der Spider auf der kürzeren des Coupés.

Mit Ausnahme kleiner Details ist der HPE bis zur B-Säule baugleich mit dem Beta Coupe. Der HPE ging auf einen Pininfarina-Entwurf zurück. Nach dem Reliant Scimitar GTE und dem Volvo P 1800 ES war der Beta HPE das dritte europäische Serienauto in der Bauform des Shooting Brake. Lancia übernahm damit ein Karosseriekonzept, das bereits 1967 von Tom Karen und Ogle Design für den britischen Scimitar entwickelt worden war.

Der HPE wurde mit 1,6-, 1,75- und mit dem 2,0-Liter-Motor (letzteren sowohl als Vergaser, als auch als Einspritzer und Volumex) angeboten. Trotz der coupehaften Form bot er guten Geradeauslauf, sehr gute Straßenlage und überdurchschnittliche Fahrleistungen. Die Einzelradaufhängung auf allen vier Rädern bestand vorne aus McPherson-Federbeinen und hinten aus Camuffo-System. Dank dem gut abgestuften 5-Gang-Getriebe bot der HPE eine Elastizität, die nur von ganz wenigen Konkurrenten in dieser Leistungsklasse erreicht wurde. Der Fahrgastraum ist geräumig, komfortabel auch im Fond und das auch für längere Strecken. Im HPE können zwei erwachsene Personen bequem liegen. Die Beta-Reihe bot ab 1979 für damalige Begriffe viele Sicherheitsmerkmale wie Seitenaufprallschutz, vollgeschäumte Innenverkleidungen, Fanghaken für Motorhaube, Superduplex-Bremssystem, dreigeteilte Sicherheitslenksäule, integrierte Überrollbügel , Sicherheitsglas, Fire Prevention System, Tank unterhalb Hinterachse usw.

Das Armaturenbrett enthält zwölf analoge Instrumente. Sogar der Ölstand wird über eine Unterdruckleitung am Armaturenbrett angezeigt. Eine weitere Besonderheit war die automatische Scheinwerferhöhenverstellung mit Druckkolben, die von pneumatischen Gebern an der Hinterachse über einen Druckschlauch gesteuert werden. Die Stoßstangen, ursprünglich dünn und rostanfällig, wurden in der letzten Version ersetzt durch sehr robust dimensionierte, gummibelegte Edelstahl-Stoßstangen. Der Beta HPE gilt als einer der wesentlichen Vorbilder für den Lancia Delta III von 2008 und als Namensspender für die dreitürigen Modellen der zweiten Serie des Delta.

Der Spider wurde bei der Carrozzeria Zagato gebaut, wo man Rohkarossen des Coupés umbaute. Im Spider taten die stärkeren Motoren aus dem Coupé Dienst. Zagato übernahm das grundlegende Konzept des Spider für den in Mailand entworfenen und 1974 vorgestellten Bristol 412, der zudem die Rückleuchten des Lancia verwendete.

Wie beim Beta Coupé fiel im Jahr 1982 das Wort "Beta" aus der Bezeichnung.

 

 

Beta Montecarlo

1975 kam der Beta Montecarlo mit Pininfarina-Karosserie auf den Markt. Ein zweisitziges Mittelmotor-Coupé mit selbsttragender Karosserie, welches wahlweise als Targa mit Rolldach geordert werden konnte. Die Ursprünge des Montecarlo gehen zurück auf einen Prototypen von Abarth, den Abarth 030 Pininfarina, den Fiat X1/9 und später den Fiat X 1/20.

Der Montecarlo war ausschließlich mit dem 88 kW (120 PS) starken Doppelnockenwellen-Zweiliter Lampredi Antrieb erhältlich. Es war das erste Automobil, dessen vollständige Karosseriestruktur einschließlich des Außendesigns von Pininfarina entwickelt und auch auf den werkseigenen Bändern (im Auftrag von Lancia) gefertigt wurde.

Für den amerikanischen Markt gab es unter dem Namen Scorpion - auf Grund von dort nicht ausreichend erfüllten Emissionswerten - eine spezielle Variante mit geänderten (runden) Klapp-Scheinwerfern und lediglich 65 kW (88 PS). Auch die Nebenrolle im Kinoerfolg Herbie goes to Monte Carlo aus dem Jahre 1977 an der Seite des berühmten VW-Käfers konnten dem nur 381 cm kurzen Lancia in den USA keinen Verkaufserfolg bescheren. Ende der 1970er Jahre lief die Produktion des Scorpion aus.

1980 erschien eine überarbeitete Variante (S2) des Montecarlo (ebenfalls 88 kW) in Europa, welche als erstes durch den geänderten Kühlergrill - der nun analog zur aktuellen Beta-Serie gestaltet wurde - und zusätzlichen Fenstern in den C-Säulen zu unterscheiden ist. Diese Fenster waren in Großbritannien zuvor bereits bei der ersten Serie eingeführt worden, um die dortigen Zulassungsanforderungen bezüglich der Rundumsicht zu erfüllen. Ebenfalls erhielt die Serie 2 nun das Felgendesign der übrigen Beta-Modelle in der Große 14" statt 13" (wenn auch mit erhöhter Einpresstiefe und ovalen Aussparungen für die Radschrauben, statt der beim Beta sonst üblichen runden Aussparungen). Die Bremsanlage war überarbeitet und die Bremsscheiben vergrößert worden. Die zweite Serie verfügte nun über keinen Bremskraftverstärker mehr.

Ende 1981 lief die Produktion nach ca. 7600 Einheiten endgültig aus. Dies konnte auch Hans Heyers Sieg zuvor als Sportwagen-Markenweltmeister 1980 auf Lancia-Montecarlo nicht verhindern.

Aus dem Lancia Beta Montecarlo wurden für den Motorsport und besonders den Rallyesport bedeutsame Modelle abgeleitet. Dies waren der Lancia Turbo, der gemäß den FIA-Gruppe-5-Regeln nur noch die Silhouette des Serienfahrzeuges aufwies, und für Lancia die Markenweltmeisterschaft 1980 und 1981 gewann. Für Rallye - Einsätze wurde der Lancia Rally 037 abgeleitet. Der 037 teilte mit dem Serienfahrzeug jedoch nur wenige Details, und hatte unter Anderem im vorderen und hinteren Teil einen Gitterrohrrahmen, der an der Serien-Fahrgastzelle des Montecarlo befestigt wurde.

Modellpflege

1975

Zum Herbst 1975 wurde der Beta optisch wie technisch überarbeitet. Die Limousine wurde von Pininfarina in etlichen Details umgestaltet; dies betraf den Kühlergrill, Scheinwerfer, Heckleuchten, Gummileiste an den Flanken und einen neuen Kunststoff-Ziereinsatz am dritten Seitenfenster.

Die Motorenpalette staffelte sich jetzt in 1,3-Liter (82 PS), 1,6-Liter (100 PS) und Zweiliter (115 PS).

An der Camuffo-Hinterachse wurden die Kugelgelenke zur Verbindung von Stabilisator-Zugstrebe und Achschenkel durch Gummi-Silentbuchsen ersetzt. Auch die Lagerung der Stabilisator-Zugstrebe am Fahrzeugaufbau tauschte man gegen veränderte Bauteile.

Auch Coupé, Spider und HPE erhielten leichte Änderungen an der Frontpartie; die Motorhaube wurde geändert, der Kühlergrill war jetzt schwarz und trug Chromleisten.

1976 wurde das Beta Coupé 1.3 nachgeschoben, das den 82 PS starken 1,3-Liter aus der Limousine erhielt und über eine vereinfachte Ausstattung verfügte.

1979

Die Limousine, die im Sommer 1978 Breitbandscheinwerfer und einen leicht geänderten Kühlergrill erhalten hatte, wurde im Frühjahr 1979 einer umfassenden Überarbeitung unterzogen.

Dabei wurde die gesamte Front retuschiert und das Interieur mit einem Armaturenbrett mit zahlreichen runden Öffnungen, in denen Instrumente und Warnleuchten saßen, aufgefrischt. Das Motorenangebot schrumpfte auf den 1,6-Liter (100 PS) und den Zweiliter (115 PS).

Ende 1981 wurde die Schräghecklimousine gestrichen.

Beta Trevi und weitere Modellgeschichte

Im Frühjahr 1980 debütierte eine Stufenheckvariante der Limousine namens Beta Trevi, die in den gleichen Ausstattungen und mit den gleichen Motoren lieferbar war wie die Schräghecklimousine.

Zugleich wurde die zweite Serie des Montecarlo mit geändertem Kühlergrill und Fenstern in den C-Säulen präsentiert.

Mitte 1981 wurden Coupé, Spider und HPE einer Auffrischung unterzogen. Diese betraf den Kühlergrill, weiter herumgezogene Stoßstangen, neues Armaturenbrett, neue Bezugsstoffe und schwarz eloxierte Chromteile.

Alle Zweilitermotoren der Beta-Familie erhielten zudem eine elektronische Einspritzung, wodurch die Leistung auf 122 PS stieg. Der 1,3-Liter-Motor des Coupé wuchs auf 1367 ccm und leistete in dieser Form 84 PS.

Ende 1981 fiel die Schräghecklimousine aus dem Angebot. Mitte 1982 wurde auch der Beta Spider gestrichen. Neu waren hingegen die Volumex-Varianten von Trevi, Coupé und HPE. Diese wurden von einem Zweiliter-Vierzylinder mit volumetrischem Kompressor angetrieben, der 135 PS leistete. Damit kamen HPE und Coupé auf eine Spitze von 200 km/h und benötigten 9 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h.

Ende 1982 wurde die Baureihe leicht überarbeitet und die Modelle hießen von da an nur noch Trevi, Coupé und HPE; die Bezeichnung Beta entfiel.

Ende 1984 wurde die Herstellung sämtlicher Beta- und Trevi-Modelle eingestellt.

Stückzahlen

Von den verschiedenen Versionen wurden in Italien gebaut:

  • Beta Berlina (1972–1981): 194.916
  • Beta Coupé (1973–1984): 113.623, davon 1272 Volumex
  • Beta Spider (1974–1982): 8.594
  • Beta HPE (1974–1984): 71.257, davon 2369 Volumex
  • Beta Montecarlo (1975–1981): 7.595
  • Beta Trevi (1980–1984): 52.567, davon 3884 Volumex

Der Lancia Beta in Spanien

Das Lancia Beta Coupé und der Lancia Beta HPE wurden nur 1979 auch von Seat in Lancia-Lizenz hergestellt. Die Karosserien entsprachen dem Lancia Beta aus Italien. Angetrieben wurden die Modelle von einem 4-Zylinder-Reihenmotor mit 1920 cm³ Hubraum, der 80 kW / 109 PS entwickelte. Dieser Motor wurde auch im Seat 131 und im Seat 132 eingesetzt. Die Lancia-Modelle brachten es damit auf 175 km/h.

Diese Fahrzeuge waren die einzigen bei Seat gefertigten Autos, die kein Seat-Emblem trugen. Der Erfolg war mäßig: Es wurden nur 2746 Exemplare gefertigt.

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