Der Maserati Bora war ein zweisitziges Sportwagenmodell des italienischen Automobilherstellers Maserati mit hauseigenem V8-Zylinder-Mittelmotor .

Maserati: Personenwagen seit 1947

Allgemeines

Es war der erste Straßensportwagen der Marke mit Mittelmotor, nachdem Maserati bereits im Rennsport Erfahrungen mit diesem Layout gesammelt hatte. Das Modell entstand, als Maserati noch zu Citroën gehörte. Die Coupé-Karosserie entwarf Giorgio Giugiaro 1969 in seiner Firma Italdesign, die handwerkliche Herstellung der Karosserien erfolgte bei Officine Padane in Modena.

Zeittypisch sind das kantige Äußere und die flache Front mit Klappscheinwerfern, die mit dem hauseigenen V8-Motor eine Höchstgeschwindigkeit bis zu 265 km/h ermöglichten. Weitere charakteristische Merkmale sind verschiedene Chrom-Zierelemente, die Auspuffanlage mit vier Endrohren und das Edelstahldach. Intern als Type 117 bezeichnet, wurde er 1971 auf dem Genfer Auto-Salon vorgestellt. Als 1972 die Produktion begann, erschwerten die hohen Kraftstoffpreise den Absatz. Bei sportlicher Fahrweise ergab sich ein Durchschnittsverbrauch bis zu 25,6 Liter auf 100 Kilometer. In dieser Krise trennte sich Citroën wieder von Maserati. Da die Vertriebswege hierdurch neu organisiert werden mussten, sanken die Produktionszahlen von 56 im Jahre 1975 auf lediglich 6 im darauffolgenden Jahr. Unter der neuen Leitung von Alejandro de Tomaso wurde das Modell technisch überarbeitet, ehe es 1978 ohne direkten Nachfolger auslief. Insgesamt entstanden 571 Fahrzeuge. Der Absatz litt insbesondere darunter, dass der Bora lange Zeit nicht die amerikanischen Zulassungsbestimmungen hinsichtlich des Außengeräuschs, des Abgases und der Sicherheit (Stoßstangen) erfüllte und dort mit dem De Tomaso Pantera einen ähnlich starken, jedoch preisgünstigeren Konkurrenten besaß.

Einen straßenzugelassenen Seriensportwagen mit Mittelmotor gab es bei Maserati erst wieder 2004 mit dem Maserati MC12, wenn auch nur in 50 Exemplaren als Homologationsmodell für den Rennsport.

Zeitgenössische Beurteilung

Gelobt wurden das Fahrverhalten, das Platzangebot und die enorme Kraft des Motors, ebenso die Ausstattung: Serienmäßig waren eine Klimaanlage, elektrische Fensterheber sowie Sitz- und Pedalverstellungen. Kritisiert wurde das Heizungs- und Lüftungssystem, insbesondere weil sich der Innenraum durch die flach stehenden Scheiben stark aufheizte, ferner die speziellen, mit Komponenten aus dem Citroën SM arbeitenden hydraulischen Bremsen mit ungewöhnlich kurzem Pedalweg sowie die Mittelmotor typisch eingeschränkte Sicht nach hinten.

Namensgebung

Bei den Modellnamen verwendete Maserati früher oft Bezeichnungen für Winde, wie zum Beispiel beim Ghibli, beim Mistral oder hier dem Bora. Der Bora bezeichnet einen kalten, trockenen Wind, der an der Adria aus Nordosten weht.

 

 

Technik im Überblick

Motoren

In der ersten Modellgeneration kam ein längs eingebauter, wassergekühlter V8-Mittelmotor mit einem Zylinderblock und -kopf aus Leichtmetall sowie zwei obenliegenden Nockenwellen pro Zylinderreihe zum Einsatz. Das relativ kompakt bauende Triebwerk mit einem Zylinderwinkel von 90 Grad schöpfte anfangs aus 4719 cm³ Hubraum 310 PS (228 kW) bei 6000 U/min. Das zusammen mit dem Getriebe, dem Differenzial und den hinteren Radaufhängungen auf einem gummigelagerten und demontierbaren Fahrschemel montierte und auch im Maserati Ghibli verwendete Aggregat, erreichte 260 km/h Spitze und beschleunigte den Wagen von 0-100 km/h in 6,5 Sekunden. 1976 wurde der Hubraum auf 4,9 Liter bei 330 PS (243 kW) erhöht, die bei 6000 U/min zur Verfügung standen und erreichte mit 461 Nm Drehmoment Spitzengeschwindigkeiten von 265 km/h. Weitere Daten:

  • Bohrung/Hub: 93,9 mm × 85 mm
  • Verdichtungsverhältnis: 8,5:1
  • Ventilsteuerung: zwei Ventile pro Zylinder, gesteuert durch zwei obenliegende Nockenwellen mit Kettenantrieb für jeden Zylinderblock
  • Gemischbildung: vier Weber-42-DCNF-Vergaser
  • Zündanlage: mit Zündverteiler

Kraftübertragung

Der Antrieb erfolgte durch ein ZF-5-Gang-Schaltgetriebe auf die Hinterachse, dabei waren das Getriebe und das Differenzial hinter dem Motor angeflanscht. Weiterhin leisteten eine Einscheibentrockenkupplung und ein Schneckenrad mit Hypoidverzahnung als Achsgetriebe ihren Dienst.

  • Übersetzungsverhältnis: I) 2,580:1; II) 1,520:1; III) 1,040:1; IV) 0,850:1; V) 0,740:1
  • Übersetzungsverhältnis im Achsgetriebe: 3,770:1

Aufhängung

Dank Einzelradaufhängung mit Trapezdreiecks-Querlenkern, Schraubenfedern mit Teleskopstoßdämpfern und Stabilisatoren vorn sowie auf der Hinterachse bot die sportliche Federung auf schlechten Straßen genügend Restkomfort.

Lenkung

Die im Bora zum Einsatz kommende sportlich-direkte Zahnstangenlenkung war ein damals übliches und nicht besonders außergewöhnliches Lenkungssystem.

Bremsanlage und Räder

Im Rahmen der Zusammenarbeit mit Citroën erhielt der Bora vier hydraulische, innenbelüftete Scheibenbremsen mit Bremskraftverstärker. Standardmäßig wurden Leichtmetallfelgen im Format 7,5 × 15 mit 215/70 × 15-er Michelin-Radialbereifung montiert.

Karosserie

Die zweitürige, zweisitzige und selbsttragende Sportcoupé-Karosserie basierte auf einem Plattformrahmen mit quadratischen Rohren als Zusatzrahmen von Motor und Kraftübertragung.

Abmessungen und Gewicht

Durch den relativ kompakt bauenden Motor blieb trotz ebenfalls kompakter Außenmaße überdurchschnittlich viel Platz für Passagiere und Gepäck. Die Platzverhältnisse waren weniger beengt als beim Lamborghini Countach oder Ferrari 365 GT/4 Berlinetta Boxer. Durch das Gesamtgewicht von 1400 kg ergab sich bei beiden Motorversionen ein sehr günstiges Leistungsgewicht.

  • Länge: 4330 mm
  • Breite: 1770 mm
  • Radstand: 2590 mm
  • Spurweite vorn/hinten: 1470 mm/1440 mm
  • Gewicht: 1400 kg

Leistung

  • Höchstgeschwindigkeit: 265 km/h
  • Beschleunigung 0-100 km/h: 6,5 s
  • Kraftstoffverbrauch (Durchschnitt): 25,6 l/100 km

Parallelmodell

Der Maserati Merak mit fast gleicher Karosserie wie der Bora wurde seit 1972 mit V6-Motor produziert und lebte bis 1983 weiter. Anfangs mit 190 PS aus 3,0 Litern Hubraum und 235 km/h Spitze, 1975 dann als Merak SS mit 220 PS und 240 km/h Höchstgeschwindigkeit war er mit 1500 gebauten Einheiten der beliebteste Maserati seiner Zeit. Auch sein Design stammte von Italdesign; er übernahm viele Designelemente und einzelne Karosserieteile des Bora. Zu unterscheiden ist er äußerlich an den frei stehenden C-Säulen und der kleinen, senkrechten Heckscheibe, während der Bora über zusätzliche Seitenscheiben und eine flach liegende große Heckscheibe verfügt. Weitere Unterschiede sind die beim Merak fehlende seitliche Kunststoffleiste sowie eine geänderte Frontgestaltung. Ferner verfügt der Merak im Innern durch den kürzeren V6-Motor noch Platz für zwei (allerdings sehr kleine) Notsitze im Fond.

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