Der Nissan LEAF (Leading, Environmentally Friendly, Affordable, Family Car) ist ein Elektroauto des japanischen Automobilherstellers Nissan, das erstmals im August 2009 in Yokohama der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im Gegensatz zu Elektrofahrzeugen anderer Hersteller ist der LEAF das erste Großserien-Elektroauto, das von Anfang an für diesen Antrieb konzipiert wurde.

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Die Auslieferung begann in den Vereinigten Staaten am 11. Dezember 2010 und in Japan am 20. Dezember. 2011 beginnt der Absatz zuerst in weiteren ausgewählten Ländern, in denen Elektroautos staatlich subventioniert werden. Dazu zählen Portugal im Januar, Irland im Februar, Großbritannien im März und die Niederlande im Juni. Der Deutschlandstart soll im Oktober 2011 und eine weltweite Einführung schließlich 2012 sein.

Vorgeschichte

Das Elektroauto hat in der Geschichte Nissans eine lange Tradition. Ihren Ursprung hat diese in einer Vorläuferfirma des aufgekauften Herstellers Prince, die 1947 aufgrund der nach dem 2. Weltkrieg herrschenden Benzinknappheit einen elektrisch betriebenen Kleinwagen namens Tama entwickelte und 1948 zwei weitere elektrische PKW-Modelle nachlegte. Nachdem sich die Kraftstoffversorgung zu Beginn der 50er Jahre wieder stabilisierte, wurde die Produktion der Stromer eingestellt.

Ab 1970 stellte Nissan einige elektrisch betriebene Konzeptfahrzeuge vor, bis es zu Beginn der 90er Jahre zur Kooperation mit Sony kam. Diese hatte zum Ziel, das Elektroauto serienreif zu machen und führte drei Jahre später zum Prairie EV, ein Van, der auf dem Serienmodell basierte und auf Elektroantrieb umgerüstet wurde. An Bord befand sich eine Weltpremiere: Neuartige Lithium-Ionen-Akkus dienten als Energiequelle, bis zu diesem Zeitpunkt wurden für den Einsatz in elektrisch betriebenen Fahrzeugen hauptsächlich Nickel-Metallhydrid-Akkumulatoren verwendet. Rund 30 Exemplare entstanden vom Prairie EV. Diese Stückzahl wurde 1997 mit dem Mittelklasse-Kombi R’nessa EV übertrumpft, von dem 200 Elektro-Versionen hergestellt wurden und der ebenfalls ein umgebautes Serienmodell darstellte. Der nächste Schritt folgte 1999 mit der Kleinserienproduktion des zweisitzigen Hypermini, der von vorneherein als reines Elektroauto konstruiert wurde.

In der darauffolgenden Zeit wurde die Forschung an der Akku-Technik vorangetrieben und in Zusammenarbeit mit NEC gelang es, die Li-Ion-Akkus in einer neuen Bauform herzustellen. Ein kompakter, laminierter Typ wurde entwickelt, der die doppelte Menge an Energie bei gleichbleibender Größe speichern konnte und die bis dato verwendete zylindrische Form ersetzte. Die rasend schnelle Weiterentwicklung der Akkus ist aber den Elektrogeräten und insbesondere dem Handy-Boom zu verdanken, da immer kleinere Geräte mit längerer Laufzeit verlangt wurden. Die daraus gewonnenen Erfahrungen wurden aber auch auf den Automobilbau angewandt und flossen in Konzeptfahrzeuge wie den Pivo (2005) und Pivo 2 (2007), den Mixim (2007) und den Nuvu (2008) ein, die als Technologieträger für die durch den Elektroantrieb neu eröffneten Konstruktionsmöglichkeiten dienten. Im Jahr 2009 folgte schließlich die Vorstellung des Serienmodells LEAF.

Modellgeschichte

Der Nissan LEAF ist als Fahrzeug der Kompaktklasse konzipiert und bietet neben fünf Sitzplätzen ein Kofferraumvolumen von 330 Litern. Das große Raumangebot wurde durch die Unterbringung der Akkus im Fahrzeugboden realisiert, die dadurch nicht unnötig viel Platz benötigen. Außerdem konnte durch diese Vorgehensweise der Schwerpunkt des Fahrzeugs niedrig gehalten werden. Der Elektromotor reicht für eine Höchstgeschwindigkeit von 145 km/h und soll eine Reichweite von ca. 160 km ermöglichen. Die jeweilige Restdistanz wird ständig aktualisiert im Navigationssystem angezeigt und kann mit dem Eco-Modus verlängert werden. Ist dieser aktiviert, wird die Motorleistung und der Energiebedarf anderer Verbraucher reduziert und es nimmt beispielsweise die Leistung der Klimaanlage ab.

Für die Erhöhung der Reichweite unerlässlich ist der Einsatz eines sogenannten regenerativen Bremssystemes, mit dem der LEAF ausgerüstet ist. Der Elektromotor wird dabei als Generator genutzt, der das Fahrzeug mittels des bei der Stromproduktion entstehenden Widerstandes verlangsamt. So wird die kinetische Energie, die ansonsten als Reibungswärme verloren ginge, in elektrische Energie umgewandelt und der Batterie zugeführt. Die Steuerung wird allerdings von einer hydraulischen Bremse übernommen, die bei stärkerem Abbremsen aktiviert wird. Eine weitere Möglichkeit, um der Batterie unabhängig vom Stromnetz Energie zuzuführen ist ein kleines Solarmodul auf dem Heckspoiler, das allerdings nicht in jeder Ausstattungsvariante serienmäßig verbaut ist.

Ansonsten ermöglicht der LEAF die Aufladung über die in der Fahrzeugfront unter einer Abdeckklappe angebrachten Ladebuchsen. Die normale Ladung erfolgt an einer haushaltsüblichen Steckdose, alternativ kann auch eine Schnellladung mit Starkstrom durchgeführt werden. Bei der normalen Variante wird eine Ladezeit von ungefähr 8 Stunden bei der in Japan üblichen Spannung von 200 V benötigt, bei 230 V in Europa oder 240 V in den USA ist die Ladedauer mit 7 Stunden angegeben. Die Schnellladung an 400 V-Dreiphasenwechselstrom dauert nur 30 Minuten, stellt aber auch nur 80% der Kapazität wieder her. Um große Entfernungen mit dem LEAF zurücklegen zu können, will Nissan in Kooperation mit Energieunternehmen eine ausreichende Infrastruktur von Ladesäulen in jedem Land schaffen. In Deutschland ist dafür RWE zuständig, die bis Ende 2010 1000 öffentliche Ladestationen installieren.

Um Fußgänger vor dem nahezu lautlosen Fahrzeug zu warnen, kommt Nissans selbst entwickeltes System Approaching Vehicle Sound for Pedestrians (AVSP) zum Einsatz. Dieses dient zur Unfallvermeidung und erzeugt abhängig von der Geschwindigkeit des LEAF ein Geräusch, das sich auch beim Beschleunigen und Verlangsamen ändert. Bis zu einer Geschwindigkeit von 30 km/h und bei einer Geschwindigkeitsverringerung unter 25 km/h ist es aktiv. Eine akustische Warnung wird auch beim Starten des Motors oder während des Zurücksetzens abgegeben, um umstehende Personen auf eine Bewegung des Fahrzeuges aufmerksam zu machen. Das Geräusch wird von einem Lautsprecher im Motorraum erzeugt und kann vom Fahrer nur vorübergehend abgeschaltet werden, denn nach jedem Neustart ist das System wieder aktiv.

In den USA gibt die Environmental Protection Agency für das Fahrzeug – obwohl es keinerlei Benzin verbraucht – einen „Verbrauch“ von 106 mpg (miles per gallon) in der Stadt, 92 mpg auf dem Highway und 99 mpg kombiniert an. Für diese Zahlen wird ein Energie-Äquivalent von 33,7 kWh pro Gallone angesetzt.

Technik

Als Antrieb dient ein Wechselstrom-Synchronmotor, der im Gegensatz zum Verbrennungsmotor seine maximale Leistung in einem breiten Drehzahlbereich abrufen kann und auch das maximale Drehmoment steht schon ab dem Moment des Losfahrens zur Verfügung. Der Motor entfaltet 80 kW (109 PS) von 2730 bis ca. 9800 U/min und ein Drehmoment von 258 Nm von 0 bis ca. 2730 U/min. Als Energiequelle dient ein aus 48 Modulen zusammengesetzter Lithium-Ionen-Akkumulator, den Nissan zusammen mit NEC entwickelte. Er speichert bis zu 24 kWh Energie und liefert eine Spannung von 360 V für den Betrieb des Elektromotors.

Galerie

Produktionsstandorte

Am 22. Oktober 2010 lief die Fertigung des LEAF im Stammwerk Oppama in Yokosuka an. Zwei weitere Werke sind in den USA und in Großbritannien bis 2013 geplant, der jährliche Produktionsausstoß soll dann insgesamt 250.000 Einheiten betragen. Diese Fertigungsstätten werden auch die Akkus herstellen, unterstützt durch zwei Werke in Portugal und Frankreich. Die Gesamtkapazität der Akku-Produktion soll sich letztendlich auf 500.000 Stück pro Jahr belaufen. Dennoch sind nicht alle hergestellten Akkus ausschließlich für den LEAF bestimmt, sondern stehen kommenden Elektrofahrzeugen der Renault-Nissan-Allianz zur Verfügung und sollen auch an andere Hersteller verkauft werden.

Land Standort Produktionsbeginn Fahrzeugproduktion pro Jahr Akkuproduktion pro Jahr
 Japan Yokosuka, Präfektur Kanagawa 10/2010 50.000 Einheiten 90.000 Einheiten
USA Smyrna, Tennessee Ende 2012 150.000 Einheiten 200.000 Einheiten
England Sunderland, Tyne and Wear Anfang 2013 50.000 Einheiten 60.000 Einheiten
 Portugal Aveiro, Distrikt Aveiro 2012 50.000 Einheiten
 Frankreich Flins-sur-Seine, Yvelines Mitte 2012 100.000 Einheiten

Auszeichnungen

  • Im November 2010 wurde der LEAF zum European Car of the Year 2011 gewählt. Mit diesem Sieg ist er das erste Elektrofahrzeug in der Geschichte dieses Wettbewerbs, das sich diese Auszeichnung sichern konnte.
  • 10 Best Engines 2011: Die von der amerikanischen Autozeitschrift Ward’s Auto World ausgetragene Wahl benennt die zehn besten Motoren des Jahres. Mit der Auszeichnung für den LEAF wurde das erste Mal ein Fahrzeug ohne Verbrennungsmotor gekürt.

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