Der Renault 4CV war ein viertüriger Pkw, den Renault von 1946 bis 1961 baute.

Renault 4CV, hellbeige, 1956, Modellauto, Fertigmodell, Norev 1:87

Geschichte

Der Renault 4CV wurde seit 1942 im besetzten Frankreich heimlich entwickelt, weil die Vichy-Regierung unter dem Druck der deutschen Besatzungsmacht die Entwicklung und Produktion von zivilen Kraftwagen verboten hatte. Wegen der erfolgreichen Vorarbeiten konnten bereits im November 1945 die Tests der Prototypen beginnen. Offiziell präsentiert wurde das Fahrzeug im Oktober 1946 auf dem Pariser Autosalon.

Der 4CV hat wie der VW-Käfer einen Heckmotor und Heckantrieb, anders als dieser aber keinen luftgekühlten Boxer-, sondern einen wassergekühlten 4-Zylinder-Reihenmotor.

Die Serienproduktion begann 1947 im Renault-Werk Billancourt bei Paris und dauerte bis 1961. Insgesamt wurden 1,1 Millionen 4CV gebaut. Wegen der großen Nachfrage führte Renault die Lizenzfertigung im Ausland ein (z. B. in Spanien bei FASA), wobei in Frankreich vorgefertigte Teile montiert wurden. Die Bezeichnung 4CV steht, wie beim Citroën 2CV für die französische Steuerklasse „CV“.

Zusammen mit dem Citroën 2CV avancierte der Renault 4CV zur französischen Variante des „Volkswagens“. Beide waren einfache Konstruktionen, die in den 1950er Jahren die Massen in Frankreich motorisierten. Sie hatten sogar, im Gegensatz zum Volkswagen, vier Türen. Alle waren an der B-Säule angeschlagen, daher hatte er vorne sogenannte Selbstmördertüren.

Bei Produktion der ersten Serienfahrzeuge des 4CV verwendete Renault noch im Werk vorhandene Restposten von Wüstentarnfarbe des deutschen Afrikakorps. Wegen dieser Farbgebung erhielt das Auto im Volksmund den Namen „Motte de Beurre“ (Butterklumpen), der Spitzname „Cremeschnittchen“ stammte ursprünglich aus dem Saarland, wo bis 1959 eine Zollunion mit Frankreich bestand und das Fahrzeug etwa 3/4 aller Zulassungen ausmachte. Fahrzeuge aus der Bundesrepublik Deutschland hätten verzollt werden müssen.

Auch in den Benelux-Staaten prägte der 4CV seinerzeit überwiegend das Straßenbild. Seitdem der Wagen ab 1957 auch im spanischen Valladolid gefertigt wurde, setzte er sich auch auf der Iberischen Halbinsel durch. Ab 1953 baute die japanische Firma Hino das Auto in Lizenz, wo es als Rechtslenker vor allem als Taxi seinen Dienst verrichtete. In den USA konnte Renault der starken Nachfrage nach Kleinwagen mit dem 4CV nicht nachkommen, das geschah erst mit der seit 1956 parallel gebauten Renault Dauphine, die wesentlich „amerikanischer“ aussah. Sozusagen im Schlepptau der Dauphine schafften es dann jedoch noch ca. 15.000 Stück 4CV in die Staaten; die meisten Käufer waren ehemals in Frankreich stationierte amerikanische Soldaten.

Der "Kattschewo" (quatre chevaux; dt. 4 PS) hatte von 1948 an serienmäßig Gürtelreifen (Michelin X). Während des Produktionszeitraums wurde der Wagen nur wenig verändert, so gab es 1955 ein anderes Armaturenbrett, die Motorleistung wurde von 17 auf 19,5 PS erhöht und ein Anlasser mit elektrischem Ritzel eingebaut. 1957 wurden die charakteristischen „Sternfelgen“ (jantes étoiles) zugunsten herkömmlicher Einscheiben-Felgen aufgegeben. Der Wagen hatte jetzt 21 PS und konnte mit Heizung bestellt werden. 1959 wurde die Leistung des Motors auf 26 PS erweitert, 1961 bekamen die „Abschiedsmodelle“ sogar Kurbelfenster vorn.

Im April 1954 wurde die halbe Million gefeiert und Ende 1958 erreichte der 4CV als erster Renault die 1-Millionen-Grenze. Allerdings gingen zu der Zeit die Verkaufszahlen schon nach unten. Mit Ende der letzten Schicht vor den Werksferien im Juli 1961 lief der letzte 4CV vom Band; laut offiziellen Werksangaben waren es bis dahin 1.105.547 Wagen. Das japanische Schwestermodell Hino-Renault 4CV blieb jedoch noch bis 1966 in Produktion. Das Konzept des Heckantriebs führte Renault in den späteren Modellen Dauphine und R8/R10, weiter; Motor, Getriebe und Lenkung des 4CV wurden ab 1961 in seinem frontgetriebenen Nachfolger R4 weiterverwendet.

 

 

Varianten

Vom 4CV gab es eine kleine Serie mit Faltdach, den Décapotable (wortwörtlich: Haube abnehmbar).

Die französische Gendarmerie in den Großstädten hatte zum schnellen Eingreifen (Überfallkommando) eine dunkelblau-weiß lackierte Sonderausführung mit 33-PS-Motor und wesentlich größerer Heckscheibe. Weil die fensterlosen Türen sehr weit nach unten ausgeschnitten waren, wurde dieses sonderbare Vehikel im Volksmund „Panier à Salade“ (Salatkorb) genannt.

Eine spartanische Sparversion stellte das Modell Affaires (Geschäfte) dar, es hatte keinerlei Chrom, Sitze, die wie Liegestühle bespannt waren, und noch nicht einmal ein Zündschloss mit Schlüssel.

Als Modell Commerciale hatte das Auto keine Rücksitze und einen unverkleideten Fond als Laderaum. Wegen der durch den Heckmotor bedingten schwierigen Belademöglichkeit fand es aber wenig Käufer. Alternativ dazu bot Renault unter der Bezeichnung Juvaquatre einen Kombi/Lieferwagen mit Frontmotor an, eine Konstruktion aus den 1930er-Jahren, der 1954 das Interieur und den vorn eingebauten Motor des 4CV erhielt. Der Juvaquatre wurde bis 1960 gebaut.

Bis Mitte der 1950er-Jahre nahmen die 4 CV an Rennen teil, es gab zahlreiche Umbauten als Rennversionen.

Rennsiege

  • 1949: Sieger der Rallye Monte Carlo in der Klasse bis 1100 cm³
  • 1951: Sieger des 24-Stunden-Rennen von Le Mans in seiner Klasse
  • 1952: Sieger der Mille Miglia in seiner Klasse

Bemerkenswertes

Der quasi gemeinsame Nachfolger des 4CV und des Juvaquatre war 1961 mit dem Renault 4 (R4) ein Fahrzeug, das Pkw und Kombi zugleich war. Der Wagen leitete zugleich die Aera der Frontantriebsfahrzeuge bei Renault ein. Die Konstrukteure bauten in genial einfacher Weise den Motor und das Getriebe des 4CV in der alten Heckantriebsanordnung vorne im R4 ein. Das Getriebe lag dadurch in Fahrtrichtung vor dem Motor, der alte Heckantrieb wurde, mit homokinetischen Antriebswellen ausgestattet, so zum Frontantrieb. Auf diese Weise überlebte das direkte 4CV-Antriebskonzept ein halbes Jahrhundert, von der Urkonstruktion des 4CV 1942 bis zum Produktionsende des R4 im Jahre 1992.

Der spanische Automobilkonzern FASA produzierte den Renault 4CV in Lizenz, um ihn auf der Iberischen Halbinsel als Renault 4/4 zu vermarkten. Zwischen 1953 und 1959 wurden 26.294 Einheiten des 4/4 produziert. Wesentliches optisches Unterscheidungsmerkmal zum französischen Original waren sechs chromgefasste Öffnungen, die sich am Heck links neben dem Kennzeichen befanden. Sie dienten der zusätzlichen Belüftung und waren in zwei horizontalen Reihen mit je drei Zügen angebracht.[1]

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