Der Rolls-Royce Silver Spirit (dt: Silberner Geist; Geist im Sinne von Seele) ist ein Auto der Oberklasse des britischen Herstellers Rolls-Royce Motors. Bei dem Wagen handelt es sich um den Nachfolger des Rolls-Royce Silver Shadow. In verschiedenen Versionen (Mark I oder Mk. I bis Mk. IV) und unter verschiedenen Namen wurde er von 1980 bis 1998 produziert.

Rolls-Royce Silver Shadow Bentley T-Series: Including Corniche, Camargue, Silver Shadow II & Bentley T2: 1965 to 1995 (Essential Buyer's Guide)

Der Rolls-Royce Silver Spirit ist baugleich mit dem Bentley Mulsanne. Einige Varianten waren sowohl als Rolls-Royce als auch als Bentley verfügbar, andere nur als Rolls-Royce oder nur als Bentley.

Modellgeschichte

Nach der mit 28476 produzierten Rolls-Royce Silver Shadow/Silver Wraith und 3867 baugleichen Bentley T bis dahin erfolgreichsten Baureihe der damaligen Doppelmarke Rolls-Royce/Bentley wurde dieses 1965 vorgestellte Modell im Jahr 1980 durch den Silver Spirit abgelöst.

Für die Gestaltung des Fahrzeugs war Fritz Feller verantwortlich. Die Konstruktion des Silver Spirit erfolgte auf der Bodengruppe des Silver Shadow. Der Motor des Silver Spirit war zunächst der vom Silver Shadow bekannte 6,75-l-V8-Doppelvergasermotor. Im Zuge der Modellpflege des Silver Spirit wurde der Motor mehrfach modifiziert und war in verschiedenen Ausführungen, auch mit einem Garrett-Abgasturbolader, erhältlich. Ab 1986 wurden die zwei SU-Vergaser durch eine Bosch-K-Jetronic ersetzt.

Der Silver Spirit ist wegen der Übernahme wesentlicher Teile vom Silver Shadow keine vollständige Neuentwicklung.

Technik

8-Zylinder in V-Form, 90°, Leichtmetallblock, Leichtmetallzylinderköpfe
Bohrung mal Hub: 104,14 mm mal 99,06 mm; Hubraum 6 750 cm³
kontaktlose Elektronikzündung; 2 SU-Vergaser (ab 1986: Bosch K-Jetronic)
Hinterradantrieb; 3-Gang-Automatikgetriebe (Mk. IV ab 1994: 4-Gang-Automatikgetriebe)

Der Wagen war mit einer Girling-Niveauregulierung und gashydraulischen Stoßdämpfern, später mit Hydropneumatik ausgestattet.

Ab 1986 war für mehrere nationale Märkte ein Antiblockiersystem Bestandteil der Serienausstattung.

Eine Neuerung war die Versenkungsautomatik der Kühlerfigur Spirit of Ecstasy im Falle versuchten Diebstahls oder eines Aufpralls.

Die Höchstgeschwindigkeit stieg während der Produktionsdauer von 193 km/h (Silver Spirit Mk. I mit Doppelvergasermotor, 1980) auf 225 km/h (Silver Spur Mk. IV mit Einspritzmotor ab 1997). Die Leistung gab Rolls-Royce lediglich mit dem Wort „sufficient“ (dt.: genügend) an. In Fachzeitschriften werden die Leistungen von 201 PS bzw. 148 kW für den Mk. I bis hin zu 300 PS bzw. 221 kW für den Mk. IV angegeben.

Karosserieformen

Alle Modelle hatten mindestens vier Türen. Abwandlungen der Karosserieform (Cabriolet, Coupé) wurden von Rolls-Royce nicht angeboten; in Einzelfällen ließen Kunden eine Karosserie bei einem Spezialbetrieb fertigen. Da der Wagen über eine selbsttragende Karosserie verfügte, war es nicht mehr – wie bis in die 1960er Jahre hinein – ohne weiteres möglich, den Wagen mit einer frei gestalteten Karosserie zu bestellen.

Wie schon beim Vorgängermodell, so konnte der Käufer auch beim Silver Spirit zwischen dem Modell mit normalem Radstand (3 061 mm) und einem um 10 cm auf 3 161 mm verlängerten Modell (Silver Spur) wählen. Die Radstandsverlängerung kam dem Fußraum der Fondspassagiere zugute.

Außerdem wurden während der gesamten Produktionsdauer weitere Modelle mit weiter vergrößerten Radständen angeboten: Silver Spur III Touring Limousine (Mark III) und Silver Spur Park Ward (Mark IV) mit jeweils 3 772 mm Radstand. Ferner wurden einzelne Modelle mit einer zum Silver Spur zusätzlichen Verlängerung um 14 Zoll (Einheit) = 35,56 cm (1 Wagen), 36 Zoll = 91,44 cm (16 Wagen) und 42 Zoll = 106,68 cm (84 Wagen) produziert. Die letztgenannten Fahrzeuge waren auf Wunsch mit sechs Türen lieferbar.

Alle Modelle mit längerem Radstand als 3 061 mm waren auf Wunsch mit einer versenkbaren Trennscheibe hinter den vorderen Sitzplänen lieferbar.

Rolls-Royce bot verschiedene Modellvarianten des Silver Spirit auch als Sonderschutzfahrzeug an.

Weit überwiegend wurden die Modelle der Silver-Spirit-Baureihe als Selbstfahrerfahrzeug genutzt.

 

 

Modelle

Die Baureihe des Silver Spirit wird aufgrund mehrerer Entwicklungsstufen in vier Abschnitte unterteilt.

Mk. I (1980–1989)

Die Entwicklung der ersten Serie des Silver Spirit erfolgte unter den Gesichtspunkten der Sicherheitsmerkmale, des Abgasverhaltens und der Verbrauchsforderungen, insbesondere mit Hinblick auf die strengen Regelungen in den Vereinigten Staaten, vor allem in Kalifornien.

So war der Silver Spirit für die Vereinigten Staaten und für Japan bereits ab der Erstvorstellung mit Katalysator lieferbar, wodurch nach der Einführung des bleifreien Benzins in Deutschland 1984 diese technische Ausstattung für den deutschen Markt - zunächst als Sonderausstattung - angeboten wurde.

Den Mk. I gab es in den Varianten Silver Spirit mit normalem Radstand und Silver Spur mit verlängertem Radstand.

Im Jahr 1985 wurde ein auf 25 Autos für den Verkauf und ein zusätzliches für Rolls-Royce selbst, also insgesamt auf 26 Autos begrenztes Sondermodell unter der Bezeichnung Centenary angeboten. Dieses Sondermodell war mit einer zusätzlichen Sonderausstattung versehen. Vorgesehen war das Erscheinen für das Jahr 1984 zum achtzigsten Jubiläum des 1904 gegründeten Unternehmens Rolls-Royce; aus unbekanntem Grund - es werden die in den 1980er Jahren in Großbritannien häufigen Streiks genannt - verzögerte sich die Präsentation um ein Jahr.

Mk. II (1989–1993)

Als Einspritz- und Zündanlage wurde die Bosch K-Motronic genutzt.

An der Hinterachse kam eine Hydropneumatik zum Einsatz. ABS war nun serienmäßig, ebenso eine elektronische Fahrwerksregelung.

Der Mk. II war, wie der Mk. I, in den unterschiedlich langen Varianten Silver Spirit II und Silver Spur II im Angebot. Erstmals wurden mehr Fahrzeuge mit langem als mit normalem Radstand verkauft. Ferner wurde ab 1991 ein im Verhältnis zum Silver Spirit um 711 mm (28 Zoll) verlängertes Modell unter der Bezeichnung Silver Spur II Touring Limousine angeboten. 1991 wurde die Produktion der Repräsentationslimousine Rolls-Royce Phantom VI eingestellt, womit die Vorstellung des überlangen Silver Spur Touring Limousine in Verbindung steht.

Geringfügige optische Veränderungen (beispielsweise andere Radkappen) erlauben eine visuelle Unterscheidung des Mk. II vom Vorgänger nur bedingt.

Die Modelle der Generationen Mk. I und Mk. II wurden für den amerikanischen Markt zur Einhaltung dortiger Zulassungsvorschriften mit Doppelscheinwerfern versehen. Mit dem Wegfall dieser Vorschriften 1993 wurden die Fahrzeuge weltweit mit den bereits zuvor sonst üblichen Einheitsscheinwerfern ausgestattet.

Mk. III (1993–1994)

Optisch unterscheidet sich der Mk. III vom MK. II äußerlich lediglich durch die Einführung des dritten (mittleren) Bremslichts in der Heckscheibe.

Der Mk. III wurde wie der Mk. II in den Varianten Silver Spirit III, Silver Spur III und Silver Spur III Touring Limousine angeboten.

Die Veränderungen zwischen Mk. II und Mk. III liegen vorrangig im Bereich des Motors sowie der umfangreichen Ausweitung der Ausstattungsmöglichkeiten.

Der Motor leistete mit neu konstruierten Zylinderköpfen, neuer Abstimmung an den Einlaßkanälen und neuen Auspuffkrümmern mehr; die Leistung stand über einen größeren Drehzahlbereich zur Verfügung. Die Höchstgeschwindigkeit stieg auf 209 km/h.

Die optionalen Einzelsitze hinten konnten beim Silver Spur einzeln elektronisch eingestellt werden; für die Vordersitze war dies bereits ab dem Vorgängermodell Silver Shadow wie bei allen Silver Spirit-Generationen serienmäßig.

Mit dem Mk. III wurde der Einbau seinerzeitig hochmoderner Technik möglich, wie etwa Videorecorder mit Flüssigkristallbildschirmen in den Rückseiten der Vordersitzkopfstützen, Bürotechnik mit Computern und Satellitenkommunikationseinrichtungen. Da insbesondere die beiden letztgenannten Ausstattungen in der Mitte der 1990er Jahre noch erheblichen Raum in Anspruch nahm, blieben diese Sonderausstattungen im Wesentlichen auf die überlange Silver Spur Touring Limousine beschränkt.

Mk. IV (1994–1998)

Bei der vierten Generation des Silver Spirit wurden zahlreiche Neuerungen vorgenommen. Aufgrund der sich abzeichnenden Zusammenarbeit von Rolls-Royce mit oder der Übernahme durch BMW wurde die fällige Konstruktion einer Nachfolgebaureihe verschoben, so dass die Baureihe Silver Spirit mit neunzehn Produktionsjahren eine der längsten der Unternehmensgeschichte wurde.

Äußerlich sind die Modelle der vierten Generation an anders gestalteten Außenspiegeln zu erkennen. Mit der Vorstellung des Mk. IV ging eine umfassende Neubenennung der Modelle einher. Die Umbenennung wurden während der fünfjährigen Produktionszeit des Mk. IV erneut geändert, so dass eine im Gebrauchtwagenmarkt langanhaltend unübersichtliche Lage eintrat.

Aus dem Silver Spirit III wurde 1995 der New Silver Spirit, aus dem Silver Spur III wurde 1995 der New Silver Spur. Daneben wurde ab 1994 das Modell New Silver Dawn angeboten; baulich dem New Silver Spirit entsprechend, war der New Silver Dawn umfangreicher ausgestattet. Den New Silver Dawn gab es unter diesem einen Namen mit normalem und mit verlängertem Radstand, wobei die Variante mit langem Radstand zur einzigen von Rolls-Royce beworbenen Variante wurde; der New Silver Dawn wurde nur auf besonderen Kundenwunsch mit dem kürzeren, beim Mk. I noch den Standard verkörpernden Radstand gebaut. Aufgrund des geringen Erfolgs des geringfügig schwächer ausgestatteten New Silver Spirit wurde dieses Modell 1995 eingestellt, womit der die Baureihe bezeichnende Modellname verschwand.

Da die Modelle Silver Dawn und Silver Spur (IV) kaum voneinander zu unterscheiden sind, nahm die Konfusion durch die Modellbezeichnungen weiter zu.

Die extralange Version wurde in der vierten Modellgeneration zunächst unter dem Namen New Silver Spur Touring Limousine, ab 1995 wiederum unter Silver Spur Touring Limousine (ohne Nummerierung) angeboten. Daneben wurde eine ebenfalls überlange Version unter dem Namen Park Ward angeboten. Während bei der Touring Limousine zwischen vorderen und hinteren Türen ein meist türloses Zwischenstück eingefügt ist, liegt die Verlängerung der Karosserie beim Modell Park Ward zwischen hinterer Tür und C-Säule.

Überdies wurde von 1994 bis 1995 der 224 km/h schnelle, erste mit einem Turbolader versehene Rolls-Royce Flying Spur angeboten, der wiederum äußerlich vom Silver Spur (IV) kaum zu unterscheiden war.

Alle Fahrzeuge der Baureihe wurden ab 1996 mit einem Visco-Sperrdifferential ausgestattet.

1997 wurden die Motoren der Modelle Silver Spur (IV) und Park Ward mit einem Abgasturbolader versehen. Damit stieg die Höchstgeschwindigkeit dieser Fahrzeuge auf 225 km/h.

Die 1998 eingestellte Baureihe war das letzte vom eigenständigen Unternehmen Rolls-Royce entwickelte Fahrzeug. Mit dem Nachfolgemodell Silver Seraph begann die Kooperation mit BMW.

Produktionszahlen

Generation

Produktionsjahre

Silver Spirit

Silver Spur inkl. Touring Limousine

14/36/42 Zoll ext.

Centenary

Flying Spur

Park Ward

Silver Dawn

Mark I

1980–1989

8129

6238

101

26

 

 

 

Mark II

1989–1993

1152

1658

 

 

 

 

 

Mark III

1993–1994

211

430

 

 

134

 

 

Mark IV

1994–1998

122

507

 

 

 

44

237

Insgesamt wurden 18 989 Fahrzeuge dieser Baureihe hergestellt.

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