Talbot (Automarke)

Talbot war eine von 1979 bis 1993 bestehende französische Automarke des PSA Peugeot Citroën-Konzerns.

Ursprung

Simca hatte im Jahr 1959 Automobiles Talbot sowie den Markennamen Talbot übernommen. Simca wurde später von Chrysler übernommen, woraus Chrysler Europe entstand.

Talbot (PSA)

Aus der Übernahme der Mehrheit von Citroën durch Peugeot 1974 entstand im Jahr 1976 der PSA-Konzern. Noch weitreichender für den Wachstumskurs von Peugeot war die Übernahme von Chrysler Europa im Sommer 1978, wodurch PSA zum größten Automobilkonzern Europas wurde. Im Sommer 1979 erhielten die Chrysler-Filialen den Namen Talbot. Die unter Chrysler entwickelten Pkw-Modelle wurden nach der Übernahme durch PSA unter dem Namen Talbot bzw. Talbot-Simca (bis Anfang 1980) weitergebaut, Matra-Modelle unter dem Markennamen Talbot-Matra und der von Chrysler entwickelte Sunbeam unter dem Modellnamen Talbot Sunbeam weitergeführt. Unter dem Dach des PSA-Konzerns waren somit zu diesem Zeitpunkt drei französische Automarken mit großer Geschichte vereint.

Unterdessen entwickelte sich die Übernahme der europäischen Chrysler-Werke in Frankreich, Spanien und Großbritannien für PSA zu einer harten wirtschaftlichen Prüfung. Im Jahr 1980 schrieb der Konzern einen Verlust von 1,5 Milliarden Franc, worauf im April 1981 die Produktion der in Großbritannien gebauten Modelle Sunbeam und Avenger eingestellt wurde.

Im Herbst 1980 übernahm Peugeot die Talbot-Organisation und beide Unternehmen beschlossen rückwirkend zum 1. Januar 1980 ihre Fusion.

Peugeot musste weitere wirtschaftliche Probleme bewältigen. Für 1982 beispielsweise wies Peugeot einen Verlust von über 2 Milliarden Franc aus. PSA verkaufte seine Anteile an Matra, die Produktion von Rancho und Murena wurde bis Anfang 1984 eingestellt.

Um für den Konkurs von Talbot nicht haftbar gemacht zu werden, gliederte PSA im Jahr 1984 die Gesellschaft Talbot wieder aus. PSA entschied, die Marke Talbot zugunsten der Entwicklung neuer Peugeot-Modelle endgültig einzustellen, was das Aus der Marke Talbot bedeutete. Aus den bereits produzierten Teilebeständen wurden noch bis Anfang 1987 in den Werken Talbot-Fahrzeuge produziert und verkauft.

Bereits im Juni 1986 endete der Talbot-Verkauf sowohl in Deutschland als auch in Frankreich. In Großbritannien wurde jedoch seit Anfang 1984 der bei Sevel (Gemeinschaftsunternehmen von PSA und Fiat) gebaute Talbot Express – ein leichtes Nutzfahrzeug – bis Ende 1993 weiterverkauft. Auf dem Festland war dieses Fahrzeug als Peugeot J5 und Citroën C25 oder Fiat Ducato bekannt.

Das letzte von Talbot selbst entwickelte Fahrzeug, das als Nachfolger des Horizon entwickelt wurde, war der im Oktober 1985 vorgestellte Peugeot 309, dessen Markteinführung ursprünglich unter dem Namen Talbot Arizona vorgesehen war.

Ende der 1980er Jahre prüfte Peugeot, ob der mit Fiat gemeinsam entwickelte Minivan nicht als Talbot verkauft werden sollte. Das Auto kam letztendlich Mitte 1994 aber als Peugeot 806 bzw. Citroën Evasion auf den Markt.

Ende 1993 wurden bei allen Filialen und Vertragshändlern die Talbot-Schilder entfernt.

Motorsport

Bereits kurz nach der Wiederbelebung der Marke engagierte sich Talbot aus Werbegründen werksseitig im Motorsport. Verantwortlicher Manager war Jochen Neerpasch, der seit 1972 für die bayerische BMW M GmbH tätig gewesen war. Neerpasch wurde bei Talbot zum Directeur Général Competitive ernannt. Er organisierte kurzfristig ein erfolgreiches Rallye-Engagement und projektierte eine Beteiligung in der Formel 1, die nicht im gewünschten Umfang zustande kam.

Rallye

1980 und 1981 unterhielt Talbot ein Werksteam, das mit dem in Großbritannien gebauten Talbot Sunbeam Lotus an der Rallye-Weltmeisterschaft teilnahm. Henri Toivonen, Guy Fréquelin und Stig Blomqvist siegten bei einzelnen Veranstaltungen und gewannen 1981 die Markenwertung für Talbot.

Formel 1

Von Beginn an plante Talbot eine Beteiligung an der Formel-1-Weltmeisterschaft. PSA wollte in diesem Bereich mit Renault konkurrieren, das sich seit 1977 erfolgreich mit einem Werksteam im Grand-Prix-Sport engagierte. Neerpasch war ausdrücklich mit dieser Zielrichtung verpflichtet worden. Sein ehemaliger Arbeitgeber BMW hatte unter der Leitung von Paul Rosche in den späten 1970er-Jahren einen Vierzylinder-Turbomotor entwickelt, der geeignet war, in der Formel 1 eingesetzt zu werden. Als sich BMW 1979 gegen ein Formel-1-Engagement entschied, erwog Neerpasch, den fertig konstruierten Motor zu PSA mitzunehmen und ihn als Talbot-Motor an den Start zu bringen. Anfänglich zeigten die BMW-Manager Zustimmung zu diesem Schritt; auf Intervention Paul Rosches verweigerten sie aber 1980 den Technologietransfer.[1] Das Triebwerk wurde schließlich als BMW12 ab der Formel-1-Saison 1982 bei Brabham eingesetzt.

Talbots Formel-1-Engagement erfolgte in Zusammenarbeit mit dem 1976 gegründeten französischen Rennstall Équipe Ligier. 1981 und 1982 trat das Team unter der Bezeichnung Équipe Talbot Gitanes an. Die Autos hießen Talbot Ligier. Sie fuhren mit einem Zwölfzylinder-Saugmotor von Matra, der auf eine Konstruktion von 1968 zurückging und den PSA zusammen mit Chrysler France übernommen hatte. Die Verbindung war nicht erfolgreich; sie endete nach zwei Jahren.

Modelle

·                    als Simca bzw. Talbot-Simca

·                                Simca 1100

·                                Talbot-Simca Citylaster (1100 als Nutzfahrzeug)

·                                Simca 1307/1308

·                                Talbot-Simca 1610/2L

·                                Talbot-Simca Horizon

·                    als Talbot

·                                Talbot 1510

·                                Talbot Alpine

·                                Talbot Avenger

·                                Talbot Citylaster

·                                Talbot Horizon

·                                Talbot Samba

·                                Talbot Solara

·                                Talbot Sunbeam

·                                Talbot Tagora

·                    als Matra-Simca bzw. Talbot-Matra

·                                Matra-Simca Bagheera

·                                Talbot-Matra Rancho

·                                Talbot-Matra Murena

·                    Weitere

·                                Talbot Express (auf der Plattform des Fiat Ducato entstand und nur in Großbritannien angeboten wurde)

·                                Talbot Arizona (Nachfolger des Horizon, der schließlich als Peugeot 309 vermarktet)

Zeitleiste

Zeitleiste der Clement Talbot/Automobiles Talbot/Talbot (PSA)/Chrysler Europe/Simca/Rootes/Matra-Modelle von 1945 bis 1986

Typ

SIMCA bis 1957,
Rootes Group bis 1967 unabhängig

Einstieg von Chrysler, Bildung von Chrysler Europe

Ab Ende 1978 Teil von PSA (Peugeot)

40er

50er

60er

70er

80er

5

6

7

8

9

0

1

2

3

4

5

6

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8

9

0

1

2

3

4

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0

1

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3

4

5

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9

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

Kleinwagen

 

 

 

Imp / Imp Californian / Husky4

Sunbeam5

Sunbeam5

 

 

 

 

Chamois4

 

 

 

 

 

 

Stiletto4

 

 

 

5 / 6

 

 

1000/900/1005/1006

 

 

Samba8

 

 

Kompaktklasse

 

 

 

Avenger5

Avenger5

Avenger5

 

 

8 / 8/1200

 

 

11007

11007

 

 

 

 

 

 

Horizon7

Horizon7

Horizon7

Arizona

 

Mittelklasse

…Minx (Mk I-Mk VII) / Husky Mk I

Minx / Husky (SI-SIII)1

Minx / Super Minx / Husky2

New Minx / Hunter3

Hunter3

Hunter3

 

 

 

SM 1500

Hunter

Gazelle1

Gazelle / Vogue2

New Gazelle/Vogue3

 

 

 

…Ten/2L

80/90 (MkI)

90 (MkII)

Mk III

Rapier (SI–V)1

New Rapier / Rapier H1203

 

 

 

 

 

 

Sceptre I+II2

New Sceptre3

 

Solara6

Solara (GB: Minx / Rapier)6

 

 

Hawk (Mk I–III)

Hawk (Mk IV–VI)

Hawk (SI–IV)

 

 

Alpine6

Alpine6

Minx / Rapier6

 

 

 

 

9 Aronde

Aronde

Aronde (P60)

1300/1500

1301/1501

1301/1501

1307/13086

15106

15106

 

 

Obere Mittelklasse

…Snipe / Super Snipe (I–III)

Super Snipe (VI)

 

Super Snipe (SI–V)

 

 

 

 

 

 

Baby

 

Ariane

 

160/180

160/180/2L

1610/2L

1610/2L

Tagora9

 

 

Oberklasse

Pullman / Imperial (Mk I IV)

 

 

Imperial

 

 

 

 

 

Record

 

 

Vedette

 

 

 

 

Coupé / Cabrio

 

 

 

Imp Sport4

 

 

 

 

 

 

1000 Coupé

1200 S

 

 

 

 

 

Alpine MkI/III

 

Alpine SI–IV / Tiger

 

New Alpine3

 

 

 

 

 

Comète

 

America

 

 

 

 

Sportwagen

 

T26 Grand Sport / Saoutchik

Sport

 

 

DJET

JET

530

Bagheera

Bagheera

Bagheera

Murena

 

 

SUV

 

 

 

 

Rancho

Rancho

 

 

Kastenwagen

 

 

 

 

1100 VF2/VF3

Citylaster

Citylaster

 

 

Talbot-Lago, 1959 an Simca verkauft

SIMCA: Lizenz- produktion vonFiat

SIMCA: 1954 vonFord France SAhinzugekauft

SIMCA: teilweise auf Basis von Fiat oder Ford weiterentwickelt

Chrysler- Simca

Humber, Marke der Rootes- Gruppe, wird 1976 eingestellt

Sunbeam- Talbot, Marke der Rootes- Gruppe bis 1953

Sunbeam, Marke der Rootes- Gruppe ab 1953, wird 1976 eingestellt

Singer, Marke der Rootes- Gruppe seit 1956, wird 1970 eingestellt

Hillman, Marke der Rootes- Gruppe

Chrysler

Automobiles René Bonnet Sportwagen

Matra

Matra- Simca

Talbot- Matra

Talbot- Simca

Talbot, Marke wird 1986 eingestellt

1gemeinsame Plattform der Rootes-Gruppe auf Basis des Hillman Minx 1956
2gemeinsame Plattform Audax der Rootes-Gruppe auf Bais des Hillman Super Minx
3gemeinsame Plattform Arrow der Rootes-Gruppe
4gemeinsame Plattform der Rootes-Gruppe auf Basis des Hillman Imp
5gemeinsame Plattform – Chrysler Avenger, Projekt 424
6gemeinsame Plattform – Chrysler Projekt C6
7gemeinsame Plattform – Chrysler Projekt C2
8gemeinsame PSA-Plattform mit Peugeot 104 und Citroën LN
9Chrysler Projekt C9, Technik weitgehend aus Peugeot 504/505/604

 

                                                                                             

Literatur

·                    Jacques Borgé, Nicolas Viasnoff: Talbot-Automobile. Geschichte einer großen europäischen Marke. Schrader & Partner, München 1981, ISBN 3-922617-02-6.