Der Tata Nano ist ein viersitziger Kleinstwagen des indischen Automobilherstellers Tata Motors. Das Fahrzeug wurde auf der 9. New Delhi Auto Expo am 10. Januar 2008 vorgestellt und sollte ursprünglich im September 2008 in Indien auf den Markt kommen. Nach leichten Verzögerungen wurde der erste Nano LX in Mumbai am 17. Juli 2009 an den indischen Zollbeamten Raghunath Vichare durch Ratan Tata persönlich übergeben. Vichare hatte bei einer Lotterie das Recht zum Kauf des ersten Nano gewonnen.

SMALL WONDER the making of the nano

One Lakh Car

Das Fahrzeug ist mit einem Kaufpreis von 100.000 iR (etwa 1.440 Euro) plus Steuern das billigste Auto der Welt.[2] Dementsprechend war es vor Bekanntgabe seines Markennamens auch als „One Lakh Car“ (Einhunderttausend-Auto) bekannt.

Da Tata die Nachfrage zu diesem Preis vorerst nicht bedienen kann, werden die ersten 100.000 Autos verlost,[3][4][5] was mehr als der vorläufigen Jahreskapazität entspricht.[3][6][7] Nur für diese Stückzahl wurde der Preis von 100.000 iR bisher garantiert.[5]

Preiskonzept

Ermöglicht wird der günstige Preis hauptsächlich durch folgende Faktoren:

  • Kein Einbau von Komfortelementen (Servolenkung, zweiter Seitenspiegel, Klimaanlage, Autoradio, elektrische Fensterheber)

  • Verzicht auf einige Sicherheitstechnologien (Airbags, ABS)

  • Größtmöglicher Anteil an Kunststoff- statt Metallblechverarbeitung

  • Geklebte anstelle geschweißter Chassis- und Karosserieverbindungen

  • Geringe Arbeits- und Materialkosten im Produktionsland Indien

Tata Motors erwartet eine Nachfrage von jährlich einer Million Fahrzeugen.[2]

Technik

Der Nano ist mit einem Zweizylindermotor im Heck ausgerüstet, eine Eigenentwicklung mit Unterstützung von FEV Motorentechnik in Aachen. Die Benzinversion hat einen Hubraum von 623 cm³ und entwickelt eine Leistung von 26 kW (35 PS), der Dieselmotor hat den gleichen Hubraum, jedoch nur 20 kW (28 PS); dem Vernehmen nach sind beide wassergekühlt.[8] Das Getriebe hat vier Gänge und stammt von dem indischen Zweiradhersteller Kinetic. Eine Version mit einem stufenlosem Getriebe desselben Herstellers ist ebenfalls vorgesehen, gilt als billige Lösung und hält den Motor in einem günstigen Drehzahlbereich.[9][10][11]

Der Verbrauch liegt nach Herstellerangaben, denen ein gesetzlicher indischer Prüfzyklus zu Grunde liegt, bei 23,6 km/l (4,24l/100km).[12] Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 105 km/h.

Ein Kofferraum, der „Platz für eine Aktentasche“ bietet, befindet sich vor der Vorderachse[13] und birgt gleichzeitig den Tankstutzen, was eine eigene Tanköffnung erübrigt.[14] Ein weiterer Stauraum liegt, nur von innen zugänglich, hinter der Rückbank.[14] Die Kofferraumgröße wird mit 30 Litern angegeben.[15]

Im Dezember 2009 wurde die Entwicklung einer Hybridversion angekündigt.[16]

 

 

Sicherheit

Der Nano erfüllt die in Indien geltenden gesetzlichen Sicherheitsvorgaben, die an die europäischen angelehnt sind. Enthalten ist ein Frontalcrash bei 48 km/h und die Einhaltung der ECE-R-12-Spezifikation. Zum Nachweis, dass der Nano auch europäische Vorgaben erfüllen kann, wurde im Juli 2009 in Birmingham durch die britische Kfz-Zulassungsbehörde ein Crashtest durchgeführt. Dazu wurde die Struktur des Fahrzeugs im Vorderwagen sowie in den Türen geringfügig verstärkt und ein Fahrerairbag eingebaut, was das Fahrzeuggewicht um 18 kg erhöht. Damit bestand der Nano den Frontalcrash mit 40 % Überdeckung und 56 km/h nach der Norm ECR-94 und erfüllt aktuelle europäische Vorgaben. In Indien werden ab 2012 vergleichbare Vorschriften gelten.

Für den europäischen Markt will Tata bis 2012 eine Weiterentwicklung des Nano erarbeiten, die größer (15 cm länger, 5 cm breiter) und stärker motorisiert (Turbomotor mit 42 kW und Fünfganggetriebe) sein wird. Mit diesem Modell strebt Tata vier Sterne nach Euro NCAP an.[17][18]

Im Herbst 2009 wurde über Kurzschlüsse in der Elektrik mancher der 7500 Fahrzeuge berichtet. Tata sprach von „geringe[r] Rauchentwicklung“. Zudem seien durch einen „kleinen Kurzschluss“ in der Elektronik zur Bedienung von Scheibenwischern und Beleuchtung feuerfeste Plastikteile angeschmort.[19]

Zulieferer

  • Bosch liefert die Einspritztechnik, Bremssysteme und Teile der Autoelektrik,[20]

  • Freudenberg die Motoraufhängung,[21]

  • Mahle liefert die Nockenwelle,[22]

  • Sekurit sämtliche Scheiben,[23]

  • ZF Friedrichshafen die Spurstangen.

  • Kinetic Getriebe

  • BASF Kat, synthetische Motorkomponenten und Lack[24]

  • Dürr AG, Lackieranlage[25]

  • Intedis elektrische Steuerung[26]

Export

Im Februar 2009 kündigte Ratan Tata eine in Europa zulassbare Version an, die auf dem Genfer Autosalon im März 2009 ausgestellt wurde.[27] In Serie soll sie 5000 Euro kosten.[28][29] Mit dem Verkauf der Europaversion ist 2010 für Italien, Spanien und Polen zu rechnen, für Deutschland erst 2012 oder 2013.[27]

Sie soll einen Alu-Dreizylinder mit 70 PS und Fünfganggetriebe haben. „Der CO2-Ausstoß soll unter 100 Gramm pro Kilometer liegen.“[30] Auch eine elektrische Servolenkung, ABS, ESP und Airbags seien „an Bord“.[30][31] Auch Klimaanlage und Ledersitze seien lieferbar.[31] Design und Verarbeitung sind dafür aber „überarbeitet“ worden und weichen deutlich vom indischen Modell ab. Erste Bilder und Videos befinden sich seit Mitte 2010 im Internet.

Ebenfalls bis 2011 soll die Einführung in den USA erfolgen.[32]

Kontroversen

Die Fabrik für den Tata Nano sollte in Singur in Westbengalen entstehen. Nach Protesten der Bevölkerung stellte das Unternehmen die Bauarbeiten für das Werk Ende August 2008 ein und prüfte die Möglichkeit anderer Standorte.[33] Am 3. Oktober 2008 erklärte Tata, den Standort in Singur endgültig aufzugeben,[34][35][36] weshalb der Produktionsbeginn verschoben wurde.

Die Motor- und Endmontage soll nun in einem Werk in Sanand in Gujarat erfolgen.[37] Ratan Tata gab im Februar 2009 an, die Fabrik werde „voraussichtlich in einem Jahr fertig sein“;[28][29] neuere Angaben sprechen von Ende 2010. Ende März 2009 solle die Montage einer Kleinserie beginnen.

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