Automobilwerk Eisenach (VEB)

Der VEB Automobilwerk Eisenach (kurz AWE) war ein Automobilhersteller im thüringischen Eisenach. Das 1896 als Fahrzeugfabrik Eisenach gegründete Werk wurde 1928 von den Bayerischen Motoren Werken AG übernommen und nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht. 1953 erhielt das Werk den endgültigen Namen VEB Automobilwerk Eisenach und produzierte ab 1955 den Wartburg. Das Unternehmen wurde 1991 von der Treuhandanstalt geschlossen. Gleichzeitig eröffnete Opel ein Werk in Eisenach, das die Tradition der Autoindustrie in der Stadt fortführt.

Geschichte

Fahrzeugfabrik Eisenach

Am 3. Dezember 1896 gründete der Industrielle Heinrich Ehrhardt mit Hilfe eines Bankenkonsortiums die Fahrzeugfabrik Eisenach (FFE) als Aktiengesellschaft. Nachdem anfänglich Geschütze und Fahrräder der Marke Wartburg hergestellt wurden, folgte bereits 1898 die Produktion des ersten Wartburg-Motorwagens. Dieser entsprach dem französischen Zweizylinder „Decauville“, für den Heinrich Ehrhardt die Lizenz erworben hatte. Damit war die Fahrzeugfabrik Eisenach nach den Firmen „Daimler-Motoren-Gesellschaft“, „Benz & Cie.“ und „Dürkopp & Co.“ das vierte Unternehmen in Deutschland mit einer Automobilproduktion. Ehrhardts Sohn Gustav leitete das Werk in Eisenach, das schon Ende des 19. Jahrhunderts mit 1.300 Arbeitern zu den Großbetrieben in Thüringen gehörte.

1903 trat Gustav Ehrhardt nach finanziellen Verlusten und Meinungsverschiedenheiten mit den Hauptaktionären von der Firmenleitung zurück, 1904 folgte ihm sein Vater, wobei dieser die Rechte an der Decauville-Lizenz mitnahm. Im selben Jahr gab die Fahrzeugfabrik Eisenach den Markennamen Wartburg auf. Die Produkte erhielten den neuen Markennamen Dixi, der aus dem Lateinischen stammt und bedeutet „Ich habe gesprochen“. Für die technische Entwicklung der neuen Modelle „Dixi“ zeichnete jetzt der Chefkonstrukteur Willi Seck verantwortlich.

Dixi-Automobile, wie beispielsweise als Flaggschiff der Vierzylindertyp Typ „U 35“ von 1907 mit 7.320 cm³ Hubraum, über 65 PS Leistung und 85 km/h Höchstgeschwindigkeit, zählten bald zu den renommiertesten Wagen und schufen sich durch ihre hohen Fahrleistungen und ihre Zuverlässigkeit einen guten Ruf. Das Dixi-Modellprogramm enthielt hauptsächlich mittelstarke und beinahe vorwiegend große, repräsentative PKW. Mit dem Ausbruch desErsten Weltkrieges wurde die Produktion ganz auf Kraftwagen und Anhänger für das Militär umgestellt: Heereslastwagen, Munitionswagen, Sanitätskraftwagen, Protzen, Feldgeschütze, Lafetten und ähnliches. Mit dem Ende des Krieges endete auch die Rüstungsproduktion, außerdem wurden Einrichtungen von der Alliierten Kontrollkommission demontiert. Ende 1919 wurde die zivile Automobilproduktion wieder aufgenommen.

Im Mai des Jahres 1921 kam es aufgrund einer wirtschaftlichen Krise zur Fusion der Fahrzeugfabrik Eisenach AG mit der Gothaer Waggonfabrik AG. Das Werk firmierte jetzt unter dem Namen „Fahrzeugfabrik Eisenach, Zweigniederlassung der Gothaer Waggonfabrik AG“. Der Konkurrenzkampf sowie die allgemeine Wirtschaftmisere erforderten die Abkehr von großen Modellen. Die Marke Dixi vollzog daher im Jahr 1927 einen Wechsel der Modellpolitik hin zum Kleinwagen, in dessen Folge mit dem Kleinwagen 3/15 DA 1 auf eine Lizenzproduktion des seit 1922 in England erfolgreich gefertigten zweisitzigen Austin 7 zurückgegriffen wurde; ein einfaches kleines Fahrzeug mit Vierzylindermotor und dem Erscheinungsbild eines richtigen Automobils, eben der Dixi. Der Lizenzvertrag mit der Austin Motor Company galt für Produktion und Vertrieb zwischen dem 1. Januar 1927 und dem 31. Dezember 1932. Im November 1928 erwarb die Bayerische Motoren Werke AG, die damit in die Automobilproduktion einstieg, die Fahrzeugfabrik Eisenach („Dixiwerke“) für 800.000 Reichsmark in BMW-Aktien und 200.000 Reichsmark in bar von der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Gothaer Waggonfabrik.

BMW Zweigniederlassung Eisenach

Als „BMW Zweigniederlassung Eisenach“ endete 1928 die Selbstständigkeit und damit später die bekannte Marke „Dixi“. Der populäre neue Dixi 3/15 wurde in BMW 3/15 PS umbenannt. Der Name erklärt sich durch die Motorleistung von 15 PS. Die drei ergab sich aus einer komplizierten Berechnung der damals üblichen Steuer-PS. Beim 3/15 gab die Berechnung über Hubraum und Zylinderzahl den Wert 2,84 – aufgerundet eben 3. 1931 erfolgte bereits die Produktion des 25.000 Kleinwagens vom Typ BMW 3/15, der in vier Modellen (DA 1 bis DA 4) gebaut wurde. 1932 ließ BMW denLizenzvertrag mit Austin wenige Wochen vor der Einführung des eigenen 3/20 AM-1 auslaufen. Dieser wurde in mehreren Stufen weiterentwickelt und bis 1934 als AM-4 gebaut. 1933 wandte sich BMW von der wenig rentablen Kleinwagenproduktion ab und begann die Entwicklung und Produktion neuer Automobiltypen mit 6-Zylinder-Motoren zwischen 1,2 und 3,5 Litern Hubraum. Das erste Fahrzeug dieser Baureihe war das Cabrio BMW 303.

Um 1935 wurde das Werksgelände entlang der Hörsel massiv erweitert, auch die heute vom Automobilmuseum genutzten denkmalgeschützten Gebäude O2 und O5 entstanden in dieser Zeit. Zur Erweiterung in östliche Richtung erwarb BMW unter anderem in mehreren Schritten Teile der Außenanlagen der früheren Zigarrenfabrik an der Fischweide[1], die heutigeFriedrich-Naumann-Straße wurde in das Werksgelände einbezogen.

In der Folgezeit wurden bis zum Jahre 1941 so bekannte Typen wie BMW 315BMW 319BMW 326BMW 327BMW 335, oder der elegante und erfolgreiche Sportwagen BMW 328 mit einer Gesamtstückzahl von 62.864 in Eisenach hergestellt.

Wegen der Konzentration der Flugmotorenentwicklung in München wurde im Zweiten Weltkrieg die gesamte Motorradfertigung in das Werk Eisenach verlegt. Daher erfolgte dort 1941 die Einstellung der Automobilfertigung und die Kriegsproduktion von Motorrädern begann. Die in Eisenach aufgebaute Flugmotorenfertigung wurde im Januar 1937 vom neuen Werk Dürrerhof der im Oktober 1936 mit Beteiligung des Reiches gegründetenFlugmotorenfabrik Eisenach GmbH, Eisenach (ab Dezember 1939 nach Übernahme der staatlichen Anteile BMW Flugmotorenfabrik Eisenach GmbH) übernommen. Am 20. Juli 1944 erfolgte das erste Flächenbombardement alliierter Bomberstaffeln, bereits bei diesem Angriff wurden zahlreiche Zivilgebäude im Stadtgebiet, die sich in der Umgebung der beiden Werksteile befanden, zerstört. Noch dreimal, am 11. und 13. September 1944 sowie am 9. Februar 1945 wurden die BMW-Werksanlagen bei Eisenach sowie die Infrastruktur der Stadt (Eisenbahn, Autobahn, Elektrizitätsnetze) und die militärischen Objekte am Stadtrand bombardiert, hinzu kamen vereinzelte Angriffe mit Bordwaffen durch Jagdflieger. Das bereits schwer beschädigte Werk sollte laut Führerbefehl im April 1945 gesprengt werden, um es nicht in die Hände der US-Amerikaner fallen zu lassen. Am 6. April rückten amerikanische Panzer in Eisenach ein, bevor es zur Sprengung kommen konnte.[2]

Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war das BMW-Werk in Eisenach zu 60 Prozent zerstört, die Maschinen waren jedoch rechtzeitig zusammen mit Teilebeständen in den umliegenden Schächten der Kali-Bergwerke eingelagert worden. Als Folge der Kriegswirtschaft waren alle Materialvorräte erschöpft, bei den ersten Produktionsanläufen mussten daher auch Holzteile für Karosseriebauteile verwendet werden.

Am 3. Juli 1945 wurde Thüringen Teil der sowjetischen Besatzungszone. Da die Demontage des Werkes und der Abtransport in die Sowjetunion drohte, führte Albert Seidler (Leiter der Motorradproduktion) Marschall Georgi Schukow eine BMW-321-Limousine vor und tatsächlich verlangte Schukow den Bau von fünf neuen Wagen.

Auch BMW-Motorräder waren in der Sowjetunion hoch angesehen (schon die M72 entstand nach Plänen der BMW R 71), und so wurde befohlen, aus den eingelagerten Teilen Motorräder zu fertigen. 220 Stück „R 35“ konnten zusammengebaut werden, die von sowjetischer Seite erprobt und für gut befunden wurden.

Nach Erlass des SMAD Befehls Nr. 93 vom 13. Oktober 1945 zur „Sicherstellung der Herausbringung der neuen Personenkraftwagen und Motorräder in der Fahrzeug- und Maschinenfabrik Thüringen“ wurde im November 1945 die Produktion zur Reparationsleistung an die Sowjetunion wieder aufgenommen. Gefordert waren jeweils 3000 PKW des Typs „321“ und Motorräder des Typs „R 35“.

Durch Verfügung des Landespräsidenten Thüringens waren im September 1945 alle Betriebsanlagen enteignet worden. Entsprechende Widersprüche aus München wurden wie folgt beantwortet: „[die Widersprüche] sind nur zu bewerten als Raubansprüche der auch heute wieder in Westdeutschland in führender Position des deutschen Imperialismus stehenden Monopolherren und Kriegstreiber der BMW-München.“

Eisenacher Viertakter nach 1945

BMW wurde nach dem Zweiten Weltkrieg das thüringische Pkw-Werk von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland enteignet und die Fahrzeugfabrik Eisenach ab dem 15. September 1946 als Sowjetische Aktiengesellschaft AWTOWELO weitergeführt. Problematisch war der Verlust an Facharbeitern und Ingenieuren. Vor der Wiederaufnahme der Produktion mussten die teilweise einsturzgefährdeten Werksgebäude provisorisch instand gesetzt werden. Von den zur Demontage bestimmten Gebäuden des BMW-Flugmotorenwerkes Dürrerhof wurden hierfür industriell gefertigte Normbauteile abgebaut und im Automobilwerk wiederverwendet. Mehr als 20Blindgänger mussten im Werksgelände und der Umgebung entschärft werden. Der Wiederaufbau des Werkes zog sich in mehreren Etappen noch bis in die Mitte der 1950er Jahre hin.[2]

Da sich praktisch noch niemand ein Auto leisten konnte, wurden zuerst Haushaltsartikel (Kochtöpfe, Kohleneimer, Briefkästen) sowie Möbel und Leiterwagen mit Stahlspeichen-Rädern angefertigt. Danach wurde eine Reihe der alten BMW-Modelle praktisch unverändert oder überarbeitet weitergebaut. Zwischen 1945 und dem Produktionsende im Jahr 1950 baute das Werk fast 9.000 BMW 321.[2] 1948 wurde aus dem BMW 321 der BMW 340entwickelt. Dieser wurde in den folgenden Jahren noch weiterentwickelt als EMW 340-2 und auch als Kombi-Version in kleinen Stückzahlen gebaut. Von 1949 bis zum Produktionsende 1955 produzierte das Werk mehr als 21.200 Exemplare der Typen 340 und 340-2. Nachfolgemodelle des EMW 340, die auch einen Sechszylinder-Viertaktmotor gehabt hätten und bereits als Prototypen gebaut und teilweise schon auf der Leipziger Automobilausstellung gezeigt worden waren,[3] gingen nicht mehr in Serie, da sie technisch zu aufwendig waren und nicht in das Konzept der damaligen zentralen Planvorgaben passten, die für die DDR eine Fokussierung auf kleinere Zweitakt-PKW vorsahen. 1952 kam zur Serienfertigung der Sportwagen EMW 327 hinzu,[4] der dem BMW 327 entsprach. Bis 1955 wurden etwas mehr als 400 Stück gefertigt. Im Jahr 1952 kam es außerdem zur Fertigung einer Kübelwagen-Kleinserie von 161 Stück des EMW 325/2 (P1).[5] Insgesamt wurden von 1945 bis 1955 etwas mehr als 30.800 Viertaktautos in dem Eisenacher Werk produziert. Ferner baute der Betrieb das Motorrad EMW R 35. Zunächst in der Starr-Rahmenversion R 35/2, dann später leicht weiterentwickelt als R 35/3 mit Geradeweg-Hinterradfederung. Zwischen 1945 und dem Produktionsende im Jahr 1955 baut das Werk 83.000 Stück der R 35, R 35/2 und R 35/3.

AWE-Rennkollektiv

1951 beauftragte das DDR-Regime Fahrzeugkonstrukteure in Berlin-Johannisthal, auf der Basis des BMW 328 einen konkurrenzfähigen Rennwagen zu konstruieren. Mit dem aus dem BMW-Modell entwickelten EMW-Rennsportwagen gelang 1952 ein Sieg auf der AVUS. Nach Ende der Rennsaison 1952 wurde das Rennkollektiv nach Eisenach in das Eisenacher Motorenwerk verlegt. Mit der Umbenennung des Werkes im Jahr 1953 erhielt auch das Rennkollektiv den Namen AWE.[6] Mit den Piloten Edgar Barth und Paul Thiel konnten u.a. beim Eifelrennen 1955 am Nürburgring und in der Formel 2 vielbeachtete Resultate erzielt und durch Arthur Rosenhammer ein Geschwindigkeitsweltrekord über 10 Meilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 229,5 km/h aufgestellt werden.[7][8] Mit der Teilnahme am Großen Preis von Deutschland 1953 auf dem Nürburgring erfolgte die erste und einzige Teilnahme eines DDR-Rennstalls an einem Formel 1-Rennen. 1956 wurde auf staatlichen Beschluss die Konstruktion von Rennwagen eingestellt und das Rennkollektiv aufgelöst. Als Hauptgrund wurden offiziell die neuen "sehr diskutablen technischen Anforderungen" der Formel II angeführt, die "kaum wesentliche und übertragbare Erfahrungswerte für das Serienprodukt" ergäben. Ferner wurden auch fehlende personelle und materielle Möglichkeiten zur Weiterführung des Rennkollektivs erwähnt.[9] Das Ende ging mit einem starken Rückgang der Rennsportveranstaltungen in der DDR einher. Im Laufe seines Bestehens konstruierte das Eisenacher Kollektiv acht Rennwagen.[10]

Von BMW über EMW zu AWE und Zweitaktern

1951 wurde den Eisenachern das Führen des Namens BMW durch die Münchener Bayerische Motoren Werke AG gerichtlich untersagt. Nach der Rückgabe aus der sowjetischen Verwaltung wurde das Werk 1952 von der DDRverstaatlicht[11] und zunächst in Eisenacher Motorenwerk (EMW) umbenannt. 1953 erhielt das Werk den endgültigen Namen VEB Automobilwerk Eisenach mit dem bekannten Kürzel AWE. Gegen den Willen der Werksleitung wurde die Umstellung der Produktion von größeren Viertaktern auf kleinere Zweitakt-PKW angeordnet, was unter den Beschäftigten als beleidigend empfunden wurde. 1953 wurde die Produktion des Zwickauer IFA F9 nach Eisenach verlagert. Parallel liefen noch einige Zeit die alten BMW-Modelle weiter. 1955 kam dann der erste „Wartburg“ Typ 311 auf den Markt. Ein Wagen der unteren Mittelklassen, der auf dem gleichen Motor und weitestgehend der gleichen Technik des F9 basierte. Robustheit, Variantenvielfalt und Formschönheit sicherten ihm dennoch umfangreiche Exporterfolge. Das Nachfolgemodell Wartburg 353, das seit 1966 in Serie vom Band lief, wurde äußerlich modern gestaltet, der – ständig in Details weiterentwickelte – Motor war aber noch immer der Alte. Viele von den Konstrukteuren entwickelte Verbesserungen, wie beispielsweise 4-Takt-Motoren oder neue Fahrzeugmodelle, durften auf staatliche Anordnung hin nie in Serie gehen.

Wachsende Probleme und langsame Modernisierung

Abgesehen von den politischen Vorgaben geriet für das AWE vor allem seine Lage zum Problem. Eingezwängt zwischen der Innenstadt, dem Bahndamm und der Hörsel bestanden keine Möglichkeiten zur Erweiterung und somit auch nicht zur Steigerung der Produktionskapazitäten. Auch die inzwischen veraltete Bausubstanz konnte mangels Ausweichmöglichkeiten nicht erneuert werden. Die Produktion fand somit auf engstem Raum und über mehrere Etagen statt, wobei der Installation von Maschinen und Anlagen durch die geringen Raummaße und die mangelnde Tragfähigkeit der Gebäudedecken enge Grenzen gesetzt waren. Speziell in den oberen Etagen war fast nur Handarbeit möglich, was die Produktion erheblich verteuerte. Zwar gelang es, das Pressen der Bleche in die Automobilwerke Ludwigsfelde und Zwickau auszulagern, doch erwies sich der hohe Transportaufwand als zu teuer und logistisch nicht besonders zuverlässig.

Daher entstand in den Jahren 1976–84 ein neues Werk mit insgesamt vier Pressenstraßen am westlichen Stadtrand von Eisenach („Eisenach-West“). Damit konnte AWE alle Pressteile in Eigenregie herstellen. Allerdings war wiederum bedingt durch die kleinen Stückzahlen bei gleichzeitiger Notwendigkeit zur kontinuierlichen Produktion ständiges Umrüsten der Pressenstraßen und das Auswechseln der tonnenschweren Werkzeuge erforderlich, was entsprechende Verlustzeiten mit sich brachte.

Als Anfang der 1980er Jahre die mittlerweile überlangen Wartezeiten der Kunden auf einen Wartburg-Pkw für heftigen Unmut in der Bevölkerung sorgten, wurde beschlossen, die Fertigung kurzfristig um 10.000 Einheiten pro Jahr zu steigern. Dies wurde erreicht, indem die Produktion der Rahmen und Fahrgestelle um 1983 an das Kraftfahrzeugwerk Gotha ausgelagert wurde. Diese Maßnahme zog jedoch einen grotesk anmutenden logistischen Aufwand nach sich. Abgesehen vom Transport der vorgefertigten Einzelteile von Eisenach nach Gotha wurden die fertigen Fahrgestelle, die mitsamt aufmontierten Rädern, Auspuff, Getriebe und Motor auf eigens hergestellten Spezialpaletten standen, mit zwei Reichsbahnsonderzügen nach Eisenach-West gebracht. Dort wurden sie zu je sechs Stück bei jedem Wetter mittels Autokran auf spezielle Anhänger geladen und mit Traktoren drei Kilometer weit in die Innenstadt gezogen, wo sie wiederum entladen und mittels Elektrokarren in die Endmontage gezogen wurden.

Als der IFA Mitte der 1980er Jahre von Volkswagen die Lizenz zum Nachbau eines im Polo eingesetzten Viertaktmotors erwarb, zog dies wiederum erhebliche Investitionen in Eisenach-West nach sich. Weil der Motorraum des Wartburg 353 für den neuen Motor zu klein war, war eine umfangreiche Neukonstruktion des Vorderwagens erforderlich, was neben der Motorenfertigung auch ein neues Getriebewerk und eine moderne Karosseriefertigung für den geänderten Vorderwagen bedeutete. Dazu kam eine computergestützte Lackbeschichtungsanlage für 110 Millionen Mark. 1988 ging das äußerlich nur wenig veränderte Fahrzeugmodell, das fortan Wartburg 1.3 hieß, in Serie.

Das Ende des AWE und die Zeit danach

Als nach der Wiedervereinigung die ostdeutsche Industrie und die Nachfrage nach dem Wartburg 1.3 zusammengebrochen war, kam auch das Aus für das AWE mit seinen technisch überholten Produktionsmethoden und Produkten. Am 21. Januar 1991 verfügte dieTreuhandanstalt den Stopp der Produktion im AWE. Spontane Demonstrationen in der Stadt für den Erhalt des Werkes waren die Folge, bis hin zu einer von AWE-Beschäftigten, Betriebsrat und IG Metall organisieren vollständigen Blockade der Autobahn 4 an der Auffahrt Eisenach-West am 25. Januar. Am 10. April 1991 rollte der letzte Wartburg 1.3 vom Band.[12]

Der Automobilbau am Fuße der Wartburg war damit nicht zu Ende. Am 23. September 1992 nahm am westlichen Stadtrand von Eisenach das zu dieser Zeit modernste Autowerk des Opel-Konzerns seine Arbeit in Eisenach auf und griff, wie auch zahlreiche sich ansiedelnde Zulieferfirmen, auf die gut ausgebildeten Fachkräfte des früheren AWE zurück. Im Opelwerk Eisenach wurden und werden Fahrzeuge wie der Astra, Corsa (Baureihen B, C und D) und seit 2012 der Opel Adam hergestellt.

Mitte der 1990er-Jahre wurde das AWE-Gelände in der Innenstadt zu weiten Teilen planmäßig abgerissen und das Gelände für eine Neubebauung vorbereitet. Auf einem Teil des Geländes siedelte sich die MITEC Automotive AG an. Seit 1995 stehen die erhaltenen Gebäude des ehemaligen Automobilwerkes Eisenach unter Denkmalschutz.[13] Nach jahrelangem Ringen um den Erhalt der denkmalgeschützten Gebäude konnte auf dem früheren Werksgelände am 4. Juni 2005 das technische Museum Automobile welt eisenacheröffnen. Das an der Friedrich-Naumann-Straße 10 befindliche Gebäude O2 beherbergt nun Fahrzeuge und Motorräder aus der über hundertjährigen Fahrzeugproduktion in Eisenach. Im Museum sind unter anderem der Wartburg-Motorwagen von 1899, ein Doppelphaeton von 1910, ein Dixi von 1928, ein Wartburg Sport von 1958 und viele andere Ausstellungsstücke zu besichtigen.

Modellübersicht 1945–1991

Bebilderte Zeitleiste der Fahrzeuge des Automobilwerkes Eisenach 1945–1991

Grundtypen

Fahrzeugfabrik Eisenach

Automobilwerk Eisenach

BMW

EMW

Wartburg

1940er

1950er

1960er

1970er

1980er–1991

5

6

7

8

9

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

0

1

2

3

4

5

6

7

8

9

0

1

Viertakter

Fotothek df pk 0000174 013.jpg
BMW 326
1945 bis 1946

 

Bundesarchiv Bild 183-19000-3223, BMW-Werk Eisenach, Erste Auslieferung.jpg
BMW 321
1945 bis 1950

Fotothek df roe-neg 0006199 006 Vorderansicht eines parkenden BMW 340.jpg
BMW/EMW 340
1949 bis 1955

 

 

BMW 327 2010-04-03.JPG
BMW/EMW 327
1952 bis 1955

 

Emw-R35-mit-hinterradfederung.jpg
BMW/EMW R 35
1945 bis 1955

 

 

Wartburg sedan 4d.jpg
Wartburg 1.3
1988 bis 1991

Zweitakter

 

IFA F9 front 20040924.jpg
EMW 309/IFA F9
1953 bis 1956

Wartburg 311 grey.JPG
Wartburg 311/312
1956 bis 1967

Front of Wartburg 353 in Brno.jpg
Wartburg 353
1966 bis 1989

 

 

Wartburg-313-1-Sport-Coupe.jpg
Wartburg 313
1957 bis 1960

 

Wartburg 312 convertable during the Szocialista Jáműipar Gyöngyszemei 2008.jpg
Wartburg 312-300
1965 bis 1966

 

Wartburg-2006-03.jpg
Melkus RS 1000
1969 bis 1980

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                                                                                               

Produktionsstatistik

Die Automobilproduktion des VEB Automobilwerk Eisenach und seiner Vorgänger von 1898 bis 1991[14]

Zeitraum

Typ

Produktion (Fahrzeuge)

1898–1903

Wartburg-Motorwagen

ca. 250

1904–1927

Dixi-PKW

6.090

1907–1927

Dixi-LKW

2.622

1907–1928

Dixi-Kleinwagen Dixi 3/15

9.308

1929–1942

BMW 3/15, 3/20, 303, 309, 315, 319, 319/1, 329, 320, 321, 325, 326, 327, 328, 335

78.768

1945–1950

Nachkriegs-BMW 321

8.996

1945–1946

Nachkriegs-BMW 326

16

1952–1955

BMW / EMW 327-1, 327-2, 327-3

505

1949–1955

BMW / EMW 340, 340-1, 340-2

21.083

1952

Kübelwagen IFA EMW 325-3

166

1953–1956

IFA F9

38.782

1955–1965

Wartburg 311/312

258.928

1957–1960

Wartburg-Sport 313-1

469

1965–1966

Wartburg 312-1

33.759

1966–1975

Wartburg 353

356.330

1975–1988

Wartburg 353 W

868.860

1988–1991

Wartburg 1.3

152.775

Gesamtproduktion

1.837.708

Aufschlüsselung der Produktion von Wartburg-Fahrzeugen von 1955 bis 1991

Herstellungsorte: Werk Eisenach und die Karosseriewerke Halle und Dresden

Baumuster

Modelljahr

Anzahl

311

1955

162

1956

14.223

311 und 313-1

1957

23.285

1958

24.326

1959

29.020

1960

28.801

311

1961

30.232

311-1000

1962

26.209

1963

30.003

1964

31.998

1965

20.669

312

1965

11.035

1966

18.570

1967

4.142

353

1966

14.005

1967

30.438

1968

34.873

1969

37.447

1970

40.411

1971

43.200

1972

45.676

1973

48.470

1974

51.813

1975

9.997

353 W

1975

44.043

1976

55.510

1977

57.565

1978

58.732

1979

56.318

1980

58.325

1981

60.133

1982

61.300

1983

64.000

1984

72.000

1985

74.000

1986

74.231

1987

71.520

1988

59.992

1989

1.191

1,3

1988

12.303

1989

70.204

1990

63.068

1991

7.200

Die Motorradproduktion des VEB Automobilwerk Eisenach und seiner Vorgänger von 1930 bis 1955

Für die ersten Produktionsjahre sind (dem Autor) keine Zahlen bekannt.

Produktionsjahre 1942–1955

Modell

Anzahl

Schweres Seitenwagenkrad BMW R 75

18.440

BMW/EMW R 35

ca. 83.000

 

Von Finanztest empfohlen: Geschlossene Beteiligungen und mehr als 9.500 Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag
Finanztest berichtete: „Interessant können für Profikäufer auch Anbieter wie Fondsvermittlung24.de sein.“ Denn: „Freie Fondsvermittler sind für Schnäppchenjäger meistens die beste Einkaufsadresse. Denn bei ihnen herrscht immer Schlussverkaufsstimmung
Fondsvermittlung24.de bietet bei nahezu allen in Deutschland angebotenen Investmentfonds 100% Rabatt auf den Ausgabeaufschlag und geschlossene Beteiligungen zu Top Konditionen. Mehr…