Der VEB Automobilwerk Eisenach (kurz AWE) war ein Automobilhersteller im thüringischen Eisenach. Das 1896 als Fahrzeugfabrik Eisenach gegründete Werk wurde 1928 von den Bayerischen Motoren Werken AG übernommen und nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht. 1953 erhielt das Werk den endgültigen Namen VEB Automobilwerk Eisenach und produzierte ab 1955 den Wartburg. Das Unternehmen wurde 1991 von der Treuhandanstalt geschlossen. Gleichzeitig eröffnete Opel ein Werk in Eisenach, das die Tradition der Autoindustrie in der Stadt fortführt.

Radfahrzeuge der NVA 1956-1990 (Typenkompass)

Geschichte

Fahrzeugfabrik Eisenach

Am 3. Dezember 1896 gründete der Industrielle Heinrich Ehrhardt mit Hilfe eines Bankenkonsortiums die Fahrzeugfabrik Eisenach (FFE) als Aktiengesellschaft. Nachdem anfänglich Geschütze und Fahrräder der Marke Wartburg hergestellt wurden, folgte bereits 1898 die Produktion des ersten Wartburg-Motorwagens. Dieser entsprach dem französischen Zweizylinder „Decauville“, für den Heinrich Ehrhardt die Lizenz erworben hatte. Damit war die Fahrzeugfabrik Eisenach nach den Firmen „Daimler-Motoren-Gesellschaft“, „Benz & Cie.“ und „Dürkopp & Co.“ das vierte Unternehmen in Deutschland mit einer Automobilproduktion. Ehrhardts Sohn Gustav leitete das Werk in Eisenach, das schon Ende des 19. Jahrhunderts mit 1.300 Arbeitern zu den Großbetrieben in Thüringen gehörte.

1903 trat Gustav Ehrhardt nach finanziellen Verlusten und Meinungsverschiedenheiten mit den Hauptaktionären von der Firmenleitung zurück, 1904 folgte ihm sein Vater, wobei dieser die Rechte an der Decauville-Lizenz mitnahm. Im selben Jahr gab die Fahrzeugfabrik Eisenach den Markennamen Wartburg auf. Die Produkte erhielten den neuen Markennamen Dixi, der aus dem Lateinischen stammt und bedeutet „Ich habe gesprochen“. Für die technische Entwicklung der neuen Modelle „Dixi“ zeichnete jetzt der Chefkonstrukteur Willi Seck verantwortlich.

Dixi-Automobile, wie beispielsweise als Flaggschiff der Vierzylindertyp Typ „U 35“ von 1907 mit 7.320 cm³ Hubraum, über 65 PS Leistung und 85 km/h Höchstgeschwindigkeit, zählten bald zu den renommiertesten Wagen und schufen sich durch ihre hohen Fahrleistungen und ihre Zuverlässigkeit einen guten Ruf. Das Dixi-Modellprogramm enthielt hauptsächlich mittelstarke und beinahe vorwiegend große, repräsentative PKW. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde die Produktion ganz auf Kraftwagen und Anhänger für das Militär umgestellt: Heereslastwagen, Munitionswagen, Sanitätskraftwagen, Protzen, Feldgeschütze, Lafetten und ähnliches. Mit dem Ende des Krieges endete auch die Rüstungsproduktion, außerdem wurden Einrichtungen von der Alliierten Kontrollkommission demontiert. Ende 1919 wurde die zivile Automobilproduktion wieder aufgenommen.

Im Mai des Jahres 1921 kam es aufgrund einer wirtschaftlichen Krise zur Fusion der Fahrzeugfabrik Eisenach AG mit der Gothaer Waggonfabrik AG. Das Werk firmierte jetzt unter dem Namen „Fahrzeugfabrik Eisenach, Zweigniederlassung der Gothaer Waggonfabrik AG“. Der Konkurrenzkampf sowie die allgemeine Wirtschaftmisere erforderten die Abkehr von großen Modellen. Die Marke Dixi vollzog daher im Jahr 1927 einen Wechsel der Modellpolitik hin zum Kleinwagen, in dessen Folge mit dem Kleinwagen 3/15 DA 1 auf eine Lizenzproduktion des seit 1922 in England erfolgreich gefertigten zweisitzigen Austin 7 zurückgegriffen wurde; ein einfaches kleines Fahrzeug mit Vierzylindermotor und dem Erscheinungsbild eines richtigen Automobils, eben der Dixi. Der Lizenzvertrag mit der Austin Motor Company galt für Produktion und Vertrieb zwischen dem 1. Januar 1927 und dem 31. Dezember 1932. Im November 1928 erwarb die Bayerische Motoren Werke AG, die damit in die Automobilproduktion einstieg, die Fahrzeugfabrik Eisenach („Dixiwerke“) für 800.000 Reichsmark in BMW-Aktien und 200.000 Reichsmark in bar von der in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Gothaer Waggonfabrik.

BMW Zweigniederlassung Eisenach

Als „BMW Zweigniederlassung Eisenach“ endete 1928 die Selbstständigkeit und damit später die bekannte Marke „Dixi“. Der populäre neue Dixi 3/15 wurde in BMW 3/15 PS umbenannt. Der Name erklärt sich durch die Motorleistung von 15 PS. Die drei ergab sich aus einer komplizierten Berechnung der damals üblichen Steuer-PS. Beim 3/15 gab die Berechnung über Hubraum und Zylinderzahl den Wert 2,84 – aufgerundet eben 3. 1931 erfolgte bereits die Produktion des 25.000 Kleinwagens vom Typ BMW 3/15, der in vier Modellen (DA 1 bis DA 4) gebaut wurde. 1932 ließ BMW den Lizenzvertrag mit Austin wenige Wochen vor der Einführung des eigenen 3/20 AM-1 auslaufen. Dieser wurde in mehreren Stufen weiterentwickelt und bis 1934 als AM-4 gebaut. 1933 wandte sich BMW von der wenig rentablen Kleinwagenproduktion ab und begann die Entwicklung und Produktion neuer Automobiltypen mit 6-Zylinder-Motoren zwischen 1,2 und 3,5 Litern Hubraum.

Das erste Fahrzeug dieser Baureihe war das Cabrio BMW 303. In Folge wurden bis zum Jahre 1941 so bekannte Typen wie BMW 315, BMW 319, BMW 326, BMW 327, BMW 335, oder der elegante und erfolgreiche Sportwagen BMW 328 mit einer Gesamtstückzahl von 62.864 in Eisenach hergestellt. Aufgrund des Zweiten Weltkrieges erfolgte ab 1941 die Einstellung der Automobilfertigung, und die Kriegsproduktion von Motorrädern begann. Daneben wurden in Eisenach seit 1937 von der neu gegründeten BMW Flugmotorenfabrik Eisenach GmbH in einem Werksneubau Flugzeugmotoren gefertigt. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 war das BMW-Werk in Eisenach zu 60 Prozent zerstört.

Automobilwerk Eisenach

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Leitung an die SMAD über, die das Werk enteignet hatte, und die Fahrzeugfabrik Eisenach wurde ab dem 15. September 1946 als sowjetische Aktiengesellschaft AWTOWELO weitergeführt. Da sich praktisch noch niemand ein Auto leisten konnte, wurden zuerst Leiterwagen mit Stahlspeichen-Rädern sowie aus Heeresbeständen Aluminiumgeschirr angefertigt. Danach wurde eine Reihe der alten BMW-Modelle praktisch unverändert oder überarbeitet weitergebaut. Zwischen 1945 und dem Produktionsende im Jahr 1950 baute das Werk fast 9.000 BMW 321

So wurde 1948 der EMW 340 entwickelt. Dabei handelte es sich um einen weiterentwickelten BMW 326, der mit einem überarbeiteten Front- und Heckbereich versehen wurde. Dieser wurde in den folgenden Jahren noch weiterentwickelt als EMW 340-2 und auch als Kombi-Version in kleinen Stückzahlen gebaut. Von 1949 bis zum Produktionsende 1955 produzierte das Werk mehr als 21.200 Exemplare der Typen 340 und 340-2. Nachfolgemodelle des EMW 340, die auch einen 6-Zylinder-Viertaktmotor gehabt hätten und bereits als Prototypen gebaut und teilweise schon auf der Leipziger Automobilausstellung gezeigt worden waren, gingen nicht mehr in Serie, da sie technisch zu aufwendig waren.

Auch vom EMW 327, der dem BMW 327 entsprach, wurden zwischen 1949 und 1955 nur etwas mehr als 400 Stück gefertigt. 1952 kam es zur Fertigung einer Kübelwagen-Kleinserie von 161 Stück des EMW 325/2 (P1) [1].

Insgesamt wurden von 1945 bis 1955 etwas mehr als 30.800 Viertaktautos in dem Eisenacher Werk produziert.

1951 wurde den Eisenachern das Führen des Namens BMW durch die Münchener Bayerische Motoren Werke AG gerichtlich untersagt. Nach der Rückgabe aus der sowjetischen Verwaltung wurde das Werk 1952 von der DDR verstaatlicht und zunächst in Eisenacher Motorenwerk (EMW) umbenannt. 1953 erhielt das Werk den endgültigen Namen VEB Automobilwerk Eisenach mit dem bekannten Kürzel AWE. Zunächst wurde 1953 ein altes DKW-Modell mit Dreizylinder-Zweitaktmotor produziert, der IFA F9. Parallel liefen noch einige Zeit die alten BMW-Modelle weiter. 1955 kam dann der erste „Wartburg“ (Typ 311 und später der 312) auf den Markt, der auf dem gleichen Motor und weitestgehend der gleichen Technik des F9 basierte. Auch das Nachfolgemodell Wartburg 353, das seit 1966 in Serie vom Band lief, hatte diesen – ständig in Details weiterentwickelten – Motor. Viele von den Konstrukteuren entwickelte Verbesserungen, wie beispielsweise 4-Takt-Motoren oder neue Fahrzeugmodelle, durften auf staatliche Anordnung hin nie in Serie gehen. Erst ab 1988 wurden in das äußerlich nur wenig veränderte Modell in Lizenz gefertigte Viertaktmotoren von VW eingesetzt.

Außerdem baute der Betrieb das Motorrad EMW R 35. Zunächst in der Starr-Rahmenversion R 35/2, dann später leicht weiterentwickelt als R 35/3 mit Geradeweg-Hinterradfederung. Zwischen 1945 und dem Produktionsende im Jahr 1955 baut das Werk 83.000 Stück der R35, R35/2 und R35/3.

Ausschließlich für den Rennbetrieb wurde der AWE 1500RS gebaut.

 

 

Das Ende des AWE und die Zeit danach

Als nach der Wiedervereinigung die ostdeutsche Industrie zusammengebrochen war, kam auch das Aus für das AWE mit seinen technisch überholten Produktionsmethoden und Produkten. Das Unternehmen wurde 1991 von der Treuhandanstalt geschlossen.

Der Automobilbau am Fuße der Wartburg war damit nicht zu Ende. Bereits 1992 nahm eines der damals modernsten Autowerke des Opel-Konzerns seine Arbeit in Eisenach auf und griff, wie auch zahlreiche Zulieferfirmen, auf die gut ausgebildeten Fachkräfte des früheren AWE zurück. Unter anderem wurden Fahrzeuge wie der Opel Vectra A sowie der bis heute gefertigte Corsa (Baureihen B, C und D) in Eisenach hergestellt.

Mitte der 1990er-Jahre wurde das AWE planmäßig abgerissen und das Gelände für eine Neubebauung vorbereitet. Nach jahrelangem Ringen um den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes O2 (= Objekt 2) konnte in diesem Haus am 4. Juni 2005 das technische Museum Automobile welt eisenach eröffnen. Das an der Friedrich-Naumann-Straße 10 befindliche Gebäude beherbergt nun die Fahrzeuge und Motorräder der über hundertjährigen Autoproduktion in Eisenach. Im Museum sind der Wartburg-Motorwagen von 1899, ein Doppelphaeton von 1910, ein Dixi von 1928, ein Wartburg Sport von 1958 und viele andere zu besichtigen.

Produktionsstatistik

Die Automobilproduktion des VEB Automobilwerk Eisenach und seiner Vorgänger von 1898 bis 1991

Zeitraum

Typ

Produktion (Fahrzeuge)

1898–1903

Wartburg-Motorwagen

ca. 250

1904–1927

Dixi-PKW

6.090

1907–1927

Dixi-LKW

2.622

1907–1928

Dixi-Kleinwagen Dixi 3/15

9.308

1929–1942

BMW 3/15, 3/20, 303, 309, 315, 319, 319/1, 329, 320, 321, 325, 326, 327, 328, 335

78.768

1945–1950

Nachkriegs-BMW 321

8.996

1945–1946

Nachkriegs-BMW 326

16

1952–1955

BMW / EMW 327-1, 327-2, 327-3

505

1949–1955

BMW / EMW 340, 340-1, 340-2

21.083

1952

Kübelwagen IFA EMW 325-3

166

1953–1956

IFA F9

38.782

1955–1965

Wartburg 311/312

258.928

1957–1960

Wartburg-Sport 313-1

469

1965–1966

Wartburg 312-1

33.759

1966–1975

Wartburg 353

356.330

1975–1988

Wartburg 353 W

868.860

1988–1991

Wartburg 1.3

152.775

Gesamtproduktion

1.837.708

Aufschlüsselung der Produktion von Wartburg-Fahrzeugen von 1955 bis 1991

Herstellungsorte: Werk Eisenach und die Karosseriewerke Halle und Dresden

Baumuster

Modelljahr

Anzahl

311

1955

162

1956

14.223

311 und 313-1

1957

23.285

1958

24.326

1959

29.020

1960

28.801

311

1961

30.232

311-1000

1962

26.209

1963

30.003

1964

31.998

1965

20.669

312

1965

11.035

1966

18.570

1967

4.142

353

1966

14.005

1967

30.438

1968

34.873

1969

37.447

1970

40.411

1971

43.200

1972

45.676

1973

48.470

1974

51.813

1975

9.997

353 W

1975

44.043

1976

55.510

1977

57.565

1978

58.732

1979

56.318

1980

58.325

1981

60.133

1982

61.300

1983

64.000

1984

72.000

1985

74.000

1986

74.231

1987

71.520

1988

59.992

1989

1.191

1,3

1988

12.303

1989

70.204

1990

63.068

1991

7.200

Die Motorradproduktion des VEB Automobilwerk Eisenach und seiner Vorgänger von 1930 bis 1955

Für die ersten Produktionsjahre sind (dem Autor) keine Zahlen bekannt.

Produktionsjahre 1942–1955

Modell

Anzahl

Schweres Seitenwagenkrad BMW R 75

18.440

BMW/EMW R 35

ca. 83.000

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Kübelwagen IFA EMW 325-3 aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Auf dieser Seite sind auch Versionen und Autorenangaben verzeichnet.

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