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Kategorie: Ford Sierra

Ford Sierra (GBG, GB4) (1987-1993) / Sierra Turnier (BNG) (1987-1993) / Sierra Hatchback (GBC, GBG) (1987-1993)

Der Ford Sierra ist ein Pkw-Modell des Automobilherstellers Ford. Das Mittelklassefahrzeug war das Nachfolgemodell des Ford Taunus in Deutschland bzw. des Ford Cortina in England. Zwischen 1982 und 1993 wurden insgesamt 2.700.500 Ford Sierra in Deutschland, Belgien, Großbritannien, Südafrika, Venezuela, Argentinien und Neuseeland in zwei verschiedenen Modellreihen produziert.

Ford Sierra MKI 1.6 GL, met.-hellgrün, limitierte Auflage 300, 1982, Modellauto, Fertigmodell, Neo Limited 300 1:43

Sierra ’82 (1982–1986)

Bei seiner Einführung (Projektname „Toni“) im August 1982 sorgten das aerodynamische Design (cw-Wert: 0,34) und das Schrägheck des von Uwe Bahnsen gestalteten Wagens für Aufsehen. Die Motoren und Getriebe waren denen des Vorgängers ähnlich, aber die Hinterachse mit Einzelradaufhängung an Schräglenkern war neu. Wie der Ford Taunus seit dem Modelljahr 1971 hatte der Sierra Hinterradantrieb. Zu Beginn war nur die fünftürige Schräghecklimousine (auch „Aero-Heck“ genannt) im Angebot. In kurzen Abständen folgten der Kombi Sierra Turnier bzw. Traveller (Dezember 1982) sowie der Dreitürer (August 1983).

Für den Sierra standen in Deutschland zunächst sechs Motorvarianten (Diesel- und Ottomotoren von 1,6 bis 2,3 V6) und vier Ausstattungsvarianten zur Wahl: das Sierra Grundmodell, der Sierra L, der Sierra GL und der Sierra Ghia.

Der Ford Sierra der ersten Serie von 1982 bis 1986 ist nur noch selten im Straßenbild zu sehen und erlangt derzeit, durch eine vermehrte Akzeptanz für Gebrauchsfahrzeuge der 1980er-Jahre, einen Youngtimer-Status. Besonders rar sind heute Kombiversionen (die sogenannten Turnier-Modelle), der 2.3 V6, die Premiummotorisierung 2.8 Liter V6 (XR4i), der Dreitürer 2.0i S mit 2,0-Liter-OHC sowie der sehr seltene „P100“ Pick-Up und die Cosworth-Coupés.

 

 

Sierra '87 (1987–1993)

Anfang 1987 wurde der Sierra an Front und Heck (außer Turnier) erneuert und im Stil des Scorpio ´85 gestaltet. Des Weiteren erhielt der Sierra ´87 einen überarbeiteten Innenraum sowie andere Türverkleidungen. Zusätzlich wurde die Baureihe um ein „klassisches“ Stufenheck erweitert.

Anfang 1990 gab es ein weiteres Facelift am Sierra, zu erkennen an den vorderen weißen Blinkergläsern, schwarz abgedunkelten Heckleuchten und dem Kühlergrill des britischen Sierra Sapphire. Ab diesem Zeitpunkt wurde ein modernerer 1,8-l-Turbodieselmotor angeboten, der den alten 2,3-l-Wirbelkammerdiesel ersetzte.

Nach den Werksferien 1992 folgte die letzte leichte Überarbeitung mit neuen Stoßfängern und geändertem Armaturenbrett sowie mit Escort-/Scorpio-Schaltern, und der 2,0-l-DOHC leistete „nur“ noch 85 kW (115 PS). Diese Drosselung war eine Folge der damaligen Leistungsstufen der PKW-Haftpflichtversicherung. Erreicht wurde sie durch einen sogenannten verkleinerten Restriktoraufsatz (Luftdurchsatz zur Gemischbildung). Der Rückbau, um die vollen 88 kW (120 PS) zu erhalten, war durch Demontage einfach möglich.

Nachfolger des Sierra wurde ab Februar 1993 der frontgetriebene Ford Mondeo.

Sierra XR4i

1985)

Der Sierra XR4i wurde im März 1983 auf dem Genfer Automobilsalon vorgestellt. Gedacht als direkter Nachfolger des Ford Capri 2.8i wurde der XR4i schon 1983 als XR4Ti im Motorsport homologiert.

Das vom Serienmodell abgeleitete Sportcoupé war mit dem sogenannten Köln-V6-Graugußmotor mit Bosch K-Jetronic, 2772 cm³ Hubraum und einer Leistung von 110 kW (150 PS) ausgerüstet. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 211 km/h und der Sierra beschleunigte von 0 auf 100 km/h in 8,4 Sekunden. Einige Tuner boten in Deutschland für den XR4i Turbosätze an, die die Leistung bis auf 155 kW (211 PS) anhoben. Diese Kits sind zum Teil noch erhältlich. Der Sierra XR4i (ersten Serie) sollte den Capri als Sportmodell ablösen, was aber nicht gelang, da der XR4i nicht als eigenständiges Sportmodell erkannt wurde und eine weitere umfangreiche Werbekampagne im Segment der neuen Sierra-Mittelklasse zu riskant schien. Weiteres Hemmnis beim Verkauf war der Basispreis von 29.050 DM und dessen preisliche Nähe zu den eingeführten und direkten Konkurrenten BMW 323i und dem Mercedes 190 E 2.3.

Äußerlich unterschied sich der XR4i in seiner bewusst gezeigten Sportlichkeit klar von anderen Sierra-Modellen. Mit grau eingefärbten Radlaufleisten, Kunststoffplanken von der A- bis C- Säule, 14-Zoll-Alufelgen (den sogenannten Käselochfelgen), einem doppelten Heckspoiler (vom Prototyp Probe 3, dadurch verbesserter Anpressdruck auf die angetriebene Hinterachse) versehen, folgte er damals den stylistischen Trends der frühen 1980er, Sportlimousinen mit Spoilern und Schwellern optisch aufzuwerten.

Zwischen 1983 und 1985 wurden knapp 29.400 Einheiten produziert, bevor der XR 4x4 mit permanentem Allradantrieb in einer optisch abgemilderten Version seine Nachfolge antrat. Der heutige Bestand an zugelassenen Sierra XR4i der ersten Serie liegt bei unter 200 Fahrzeugen.

Ein Nachfolger, ebenfalls mit der Bezeichnung XR4i, wurde ab 1990 produziert und war eine optisch unauffälligere Variante in Vollausstattung mit beheizter Windschutzscheibe, elektrischen Fensterhebern, komfortablem Interieur, Nebelscheinwerfern, Heckspoiler sowie Stoßstangen in Wagenfarbe und Scheinwerfern mit Doppel-Fernlicht. Der Zweiliter-4-Zylinder-DOHC/8-Ventiler leistete 88 kW/120 PS und ermöglichte eine Beschleunigung in 10,9 Sekunden von 0–100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von 187 km/h. Diesen Motor gab es für die Ausstattungslinien LX, CLX, GLX und Ghia serienmäßig.

Auch seine Produktion endete wie die der anderen Sierra-Varianten Anfang 1993.

Erfolge im Motorsport

Besonderen Ruhm erlangte der Sierra durch zahlreiche Rallye- und vor allem Tourenwagen-Siege (DTM, EM, WM, BTCC) der Modelle Sierra XR4Ti, Sierra 4×4 und Sierra RS Cosworth. Endpunkt des sportlichen Erfolges war 1987 der Start-Ziel-Sieg beim 24h-Rennen am Nürburgring und 1988 der Gewinn der DTM mit dem RS 500 unter Klaus Ludwig.

Modellreihenentwicklung und Motoren

Die offizielle Bezeichnung der Baureihen von Ford:

Sierra ´82
  • Vorstellung im August als fünftürige Limousine, sogenanntes „Aero-Heck“, und Ende 1982 als Kombi. Der Dreitürer folgte im Sommer 1983.
  • Sport- und Allradmodelle sowie die Ausstattungsvariante „Ghia“ mit geschlossener Kühlerblende und breiteren Scheinwerfern
    Bauzeitraum: 08/1982–12/1986
Sierra ’87
  • Neue Front und neues Heck (außer Kombi)
  • Überarbeitetes Interieur und neue Türverkleidungen
  • Ergänzung um Stufenheck
    Bauzeitraum: 01/1987–12/1989
Sierra ’90 (Facelift)
  • Weiße Blinker vorne/schwarze Rückleuchten hinten.
  • Grill vom britischen Sierra Sapphire
  • Nochmals leicht modifiziertes Cockpit.
    Bauzeitraum: 01/1990–02/1993
Motoren
Hubraum Leistung Bemerkung
1,6 Liter R4 OHC 53 kW (72 PS) U-Kat
1,6 Liter R4 OHC 55 kW (75 PS)
1,6 Liter CVH 59 kW (80 PS) G-Kat
1,8-Liter R4 OHC 66 kW (90 PS)  
2,0 Liter V6 66 kW (90 PS)  
2,0 Liter R4 OHC 74 kW (100 PS) G-Kat
2,0 Liter R4 OHC 77 kW (105 PS)  
2,0 Liter R4 OHC 85 kW (115 PS)  
2,0 Liter R4 DOHC 8V 85 kW (115 PS) G-Kat
2,0 Liter R4 DOHC 8V 88 kW (120 PS) G-Kat
2,0 Liter R4 DOHC 16V Cosworth 150 kW (204 PS) Turbo
2,0 Liter R4 DOHC 16 V Cosworth 162 kW (220 PS) Turbo G-Kat
2,3 Liter V6 84 kW (114 PS)  
2,8 Liter V6 K-Jetronic 110 kW (150 PS)  
2,9 Liter V6 107 kW (145 PS)  
1,8 Liter R4 55 kW (75 PS) Turbodiesel
2,3 Liter R4 49 kW (67 PS) Wirbelkammerdiesel

Produktion und Verkauf im Ausland

In Südafrika wurde der Sierra auch mit einem 5,0-Liter-V8-Motor als Sierra XR8 verkauft. Das Aggregat stammte aus dem Ford Mustang und entwickelte eine Leistung von 150 kW (204 PS) bei 4800/min und ein Drehmoment von 330 Nm bei 3400/min. Vom Sierra XR8 wurden lediglich 250 Stück ausschließlich im Jahre 1984 gebaut. Daneben gab es einen XR6 mit 3-Liter-„Essex“-Motor, der auch in einer weniger sportlichen Komfortversion angeboten wurde, sowie später als preiswerter 3.0 LX.

 

 

Zwar war bei der Einführung die Modellpalette der europäischen Ford-Werke einheitlich, dennoch machte man für den britischen Markt Zugeständnisse. So verschwand dort 1987 der Dreitürer aus dem Programm und das Stufenheck wurde als Sierra Sapphire verkauft, das bereits den Kühlergrill des 1990er Facelifts trug. Bei dieser Überarbeitung entsprach der Sapphire wieder den deutschen Modellen, allerdings wurde beim Schrägheck und beim Kombi die alte Front beibehalten.

In die USA und nach Kanada wurde von 1984 bis 1989 ausschließlich der dreitürige XR4i als Merkur XR4Ti exportiert und dort über Lincoln-Mercury-Händler vertrieben, so wie man es zuvor schon mit dem Capri praktiziert hatte. Der Merkur XR4Ti wurde bei Karmann in Rheine gebaut. Er hatte einen turbogeladenen 2,3-Liter-Vierzylinder, den es in den USA u. a. auch im Mustang und Thunderbird gab. Zusätzlich gab es von Mai 1987 bis Sommer 1990 einen Merkur Scorpio mit dem 108 kW (147 PS) starken 2,9-Liter-V6, der aber auf dem US-Markt schlechte Aufnahme fand.

Insgesamt wurden in Nordamerika 64.238 Merkur verkauft , davon etwa 90 % XR4Ti.

Ab Frühjahr 1982 war der Sierra auf einigen Märkten auch als Pick-up unter der Modellbezeichnung P100 erhältlich. Nennenswerte Stückzahlen wurden in Europa unter anderem in Österreich und Finnland verkauft.

In diesem Modell wurden sowohl Teile des Transit als auch des Sierra verwandt. Bei einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von 2440 kg betrug die Nutzlast bis zu etwa einer Tonne bei einer Ladeflächenlänge von 2130 mm. Im Herbst 1987 wurde der P100 erneuert und basierte nun auf dem Sierra ´87.

Die Produktion der P100-Baureihe lief Ende 1992 aus.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Ford Sierra aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Auf dieser Seite sind auch Versionen und Autorenangaben verzeichnet.