Der Renault 12 – kurz R12 genannt – war ein frontgetriebenes Automodell der Mittelklasse. Mehr als 4,2 Millionen Fahrzeuge dieses Typs wurden in Frankreich von Herbst 1969 bis Anfang 1980 hergestellt.

Renault 12 Owner's Handbook and Maintenance Manual

Fahrzeugentwicklung

Bereits 1964 begann die Entwicklung eines Autos, das auch robust genug für die schlechten Straßen der nordafrikanischen Märkte sein sollte. Die Anforderungen an den neuen Wagen waren eine extreme Robustheit und hohe Widerstandsfähigkeit. Die ersten Prototypen verfügten über drei, asymmetrisch angeordnete Frontscheinwerfer und ein Reserverad auf dem Kofferraumdeckel.

In der späten Entwicklungsphase wurde deutlich, dass dieses Modell auch sehr gut die bestehende Lücke zwischen R6 und R16 schließen könnte, da die bereits länger gebauten Heckmotormodelle R8 (auch R10) ihrem baldigen Produktionsende entgegensahen und der allgemeine Konstruktionstrend weg vom Heckmotor ging.

Im Oktober 1969 kam der Renault 12 als Limousine auf den Markt. Die Basisversion hatte Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten, jedoch keinen Bremskraftverstärker. Im Gegensatz zu den Modellen R4 und R16 besaß der R12 eine starre Hinterachse, die mit gezogenen Längslenkern und einem zentralen Dreieckslenker geführt wurde.

Mitte 1971 folgte der in Deutschland als „Variable“ und in Frankreich als „Break“ bezeichnete Kombi. Ebenfalls 1971 erschien die Sportversion des „unauffälligen Musterknaben“ (wie die Zeitschrift auto motor und sport den R12 damals bezeichnete) als Modellversion „Gordini“. In Frankreich ersetzte damit der „Coupe R12G“ den bisherigen und sehr beliebten „Coupe R8G“ für den Einsteiger im Motorsport.

Der R12 bildete auch die technische Basis für die zwei Coupé-Versionen, die die Namen Renault 15 und Renault 17 trugen. Beide wurde zwischen Juli 1971 und August 1979 gefertigt. Für den heimischen Markt gab es außerdem Behörden- bzw. Transportausführungen, die je nach Ausführung teilweise ohne seitliche Verglasung ab der B-Säule, ohne hintere Türen oder ohne Rücksitzbank ausgeliefert wurden. Diese Modelle wurden – wie in der Renault-Nomenklatur üblich – „Société“ genannt.

 

 

Modellpflege

Im August 1975 erschien die überarbeitete Ausführung des Renault 12 mit neu gestalteten Stoßfängern, Scheinwerfern und Rücklichtern sowie mit einem neuen Armaturenbrett (nicht für den R12 L). Die in Spanien von FASA (Fabricación de Automóviles S.A.) bis zur Übernahme durch Renault France hergestellten Lizenz-Versionen des R12TS sowie teilweise Modelle für andere Exportmärkte wurden mit Doppelscheinwerfern ausgerüstet.

Im Frühjahr 1979 endete der Vertrieb des Renault 12 nach Deutschland zu Gunsten des bereits im Vorjahr eingeführten Nachfolgemodells Renault 18. Die Produktion wurde in Frankreich im Januar 1980 eingestellt.

Motoren und Fahrleistungen

Typ

Bauzeitraum

Codenummer

Hubraum

Höchstgeschwindigkeit

R12/L/TL

1969–1975

R 1170

1289 cm³

140 km/h

R12 Gordini

1971–1974

R 1173

1565 cm³

185 km/h

R12 TS

1973–1975

R 1177

1289 cm³

150 km/h

R12 TR Automatic

1974–1975

R 1177

1289 cm³

145 km/h

R12/L/TL (Serie 2)

1975–1980

R 1170

1289 cm³

140 km/h

R12 TS (Serie 2)

1975–1980

R 1177

1289 cm³

150 km/h

R12 Automatic (Serie 2)

1975–1980

R 1177

1289 cm³

145 km/h

Der R12 in Australien

In Australien war der Renault 12 erst 1970 eingeführt worden und wurde bei Renault Australia produziert. 1978 änderte man die Modellbezeichnung in Renault Virage, und im Rahmen dessen wurde die Karosserie leicht überarbeitet. Der Produktionsstandort war Melbourne (Stadtteil Heidelberg). Die Produktion endete wie in Frankreich Anfang des Jahres 1980.

Lizenznachbauten

Dacia

Der Renault 12 wurde mehr oder weniger unverändert bis 2004 in Rumänien, bei Dacia in Pitești, als Dacia 1300/1400 (Limousine), bzw. Dacia 1310/1410 (Kombi) hergestellt. Nach 35 Jahren Produktionszeit liefen Ende 2004 die letzten Exemplare, eine Limousine 1300 und ein Kombi 1310, von den Produktionsbändern in Pitești, die heute im rumänischen Automobilmuseum stehen. Insgesamt wurden 1.959.730 Exemplare gefertigt. Nachfolger ist der Dacia Logan. Eine Besonderheit des Dacia 1300: genau wie der Ford Corcel wurde auch der Dacia bereits vor der offiziellen Premiere des R12 gefertigt.

Dacia produzierte von 1975 bis Ende 2006 auch Pickup-Varianten, die es vom Renault R12 nicht gab (siehe hierzu Dacia Pick-Up).

Toros

Auch in der Türkei wurde der Renault 12 in Lizenz gefertigt und dort von Oyak-Renault, in der Zeit von 1971 bis 1980 als Renault 12 und anschließend bis in das Jahr 2003 als Renault 12 Toros.

Ford Corcel

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Ford Brasilien übernahm im Jahr 1968 die Firma Willys-Overland, die zuvor mit Renault zusammengearbeitet und vor Ort die Modelle Dauphine und Gordini in Lizenz produziert hatte. Ford übernahm damit auch das Projekt einer abgewandelten Version des sich gleichzeitig in Entwicklung befindenden R12. Ford entwickelte den Wagen weiter und vertrieb ihn dann unter der Bezeichnung Corcel.